Carmignac-Manager exklusiv: „Die EZB sollte expansiver werden“

Simon Pickard (li.) ist Manager für Schwellenländeraktien<br>bei Carmignac Gestion, Didier Saint-Georges ist Mitglied<br>des Investmentkomitees

Simon Pickard (li.) ist Manager für Schwellenländeraktien
bei Carmignac Gestion, Didier Saint-Georges ist Mitglied
des Investmentkomitees

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DAS INVESTMENT.com: Lassen Sie uns mit einem einfachen Indikator beginnen. Wie oft benutzen Sie pro Tag das Wort Krise?

Simon Pickard: Gute Frage … vielleicht fünfmal … also wir benutzen es definitiv. Es gibt eben so symbolische Wörter, die alle in der Finanzbranche verwenden, wie etwa Troika oder Operation Twist.

Didier Saint-Georges: Viel interessanter ist ja die Frage, wann das Wort ‚Chance‘ häufiger fällt als das Wort ‚Krise‘.

DAS INVESTMENT.com: Wäre Ihnen das Wort denn lieber?

Saint-Georges: Das will ich so nicht sagen. Ich meine nur, dass es dann interessant wird. Aber das ist noch nicht der Fall.

DAS INVESTMENT.com: Wann denn?

Saint-Georges: Da die Krise aus Europa kommt, muss auch dort etwas passieren. Immerhin haben Politiker inzwischen erkannt, wie akut die Probleme sind. Das macht uns Mut. Wir schauen nicht nur auf Risiken durch Staatsschulden, sondern auch darauf, wie Politiker eine Rezession vermeiden wollen. Die ist ein ernstes Risiko. In diese Richtung ist aber noch nichts passiert.

DAS INVESTMENT.com: Jetzt bitte etwas genauer. Wie könnte eine Lösung aussehen?

Saint-Georges: Als Fondsmanager steht es uns nicht zu, Politikern Lektionen zu erteilen.

DAS INVESTMENT.com: Schade.

Saint-Georges: Ich finde das nicht schade. Unser Job ist es, Fonds zu managen und nicht Länder.

DAS INVESTMENT.com: Aber Sie haben doch eine Meinung.

Saint-Georges: Schon. Sie müssen bei solchen Dingen unbedingt richtig rechnen. Natürlich können Sie Griechenland aus der Eurozone werfen. Aber Sie müssen wissen, was das kostet.

DAS INVESTMENT.com: Es wäre zumindest nur eine einmalige Rechnung.

Saint-Georges: Sicher. Aber Sie müssen sie aufstellen. Am Besten berechnen Sie jedes Szenario. Dann können die Regierungen wählen, welches sie umsetzen. Schmerzen wird es in jedem Fall geben, denn Griechenland wird seine Schulden nicht zahlen – Schmerzen für Banken und für Steuerzahler in der restlichen Eurozone.