Das Billionen-Spiel Turbulenzen am Rentenmarkt – wie weit kann die Rendite steigen?

Eingang eines Arbeitsamts im französischen Lille: Volkswirte erwarten für Frankreich starke Wirtschaftsdaten und sinkende Arbeitslosenzahlen. | © Getty Images

Eingang eines Arbeitsamts im französischen Lille: Volkswirte erwarten für Frankreich starke Wirtschaftsdaten und sinkende Arbeitslosenzahlen. Foto: Getty Images

Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler AM

Der perspektivische Anstieg der Neuverschuldung in den USA als eine Folge der Steuerreform, gute Konjunkturdaten sowie eine intensive Diskussion um die Exit-Strategie der EZB haben die Anleger an den Rentenmärkten schon zu Jahresanfang verunsichert und entsprechende Turbulenzen ausgelöst. So ist unter anderem die Rendite zehnjähriger US-Treasuries von 2,4 Prozent zu Jahresende 2017 auf zuletzt knapp 2,8 Prozent gestiegen. Die Bewegung dürfte jedoch noch nicht zu Ende sein. Ein Fundamentalmodell auf Basis der Federal Funds Rate und des (Kern-)Inflationstrends signalisiert ein angemessenes Renditeniveau von bis zu 3,5 Prozent bis Jahresende 2018.

Rendite zehnjähriger US-Treasuries im Aufwärtstrend in Prozent (Quellen: Thomson Reuters Datastream, Metzler; Stand: 31.12.2017)

Damit könnte im Jahresverlauf die Rendite zehnjähriger US-Treasuries um insgesamt mehr als 1,0 Prozentpunkte steigen. Für Anleger in US-Staatsanleihen würde daraus ein Verlust von etwa 1,2 Billionen Dollar entstehen – unter Berücksichtigung von US-Unternehmensanleihen sogar 2,4 Billionen Dollar. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Konjunkturdaten wie Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors (Montag) im Einklang mit einem Wirtschaftswachstum von etwa 2,0 Prozent bleiben.

USA: Vermögenseffekt funktioniert doch wieder

Interessanterweise funktionierte der Vermögenseffekt in den USA in den Jahren 2013 bis Mitte 2016 nicht. Das heißt: Obwohl in diesem Zeitraum das Vermögen der privaten Haushalte nennenswert zunahm, blieb die Sparquote auf einem stabilen Niveau. Im Endeffekt stieg die Konsumquote aufgrund des fehlenden Vermögenseffekts über diesen Zeitraum deutlich langsamer als in vergleichbaren Perioden der Vergangenheit. Die hohe Sparquote bedeutete jedoch auch, dass die US-Konsumenten bei einem Einbruch der Kurse am Aktienmarkt und/oder bei fallenden Immobilienpreisen kaum ihren Konsum eingeschränkt hätten. Im gewissen Sinne war die US-Wirtschaft dadurch vor einem größeren Wachstumseinbruch geschützt.

USA: Ersparnis und Vermögen der Privathaushalte in Prozent des verfügbaren Einkommens (Quellen: Thomson Reuters Datastream, Metzler; Stand: 31.12.2017)

Seit Mitte 2016 hat sich das Bild jedoch wieder komplett geändert. Der Konsum wuchs dynamisch, da die privaten Haushalte ihre Sparquote deutlich reduzierten und somit wieder auf das hohe Niveau ihres Vermögens reagierten. Im Dezember erreichte die Sparquote sogar mit 2,4 Prozent einen neuen historischen Tiefstand. Die US-Konsumausgaben sind somit wieder reagibler gegenüber Vermögenspreisen (Aktien und Immobilien) geworden.