Deflation: Gefahr für die Euro-Staaten

Guido vom Schemm, Geschäftsführer der Merito Asset Management in Dreieich

Guido vom Schemm, Geschäftsführer der Merito Asset Management in Dreieich

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Zugegeben, die Überlegungen der EZB einen negativen Zinssatz einzuführen, löst bei vielen Sparern und Anlegern Unbehagen aus. Hintergrund ist die heranziehende Deflationsgefahr in Europa.

Ein negativer Einlagenzins könnte darüber hinaus kurzfristig zwei weitere Vorteile bringen. Den Export durch einen schwächeren Euro ankurbeln und damit die Eurokrise mildern.

Zudem könnte das Zinsexperiment die Marktliquidität erhöhen und kurzfristig für Rückenwind bei Anleihen-, Rohstoff- und Aktienanlegern sorgen. Ob dies letztendlich aber gelingt bleibt abzuwarten.

Die dänische Zentralbank hatte mit dem Experiment allerdings negative Erfahrungen gemacht, daher könnte die EZB das Instrument nur sehr überlegt einsetzen.

Deflation ist Gift für die Euro-Staaten

Die Deflation ist weder im Interesse der Notenbanken noch der Staaten, da die realen Staatsschulden zunehmen und zudem die Gefahr eines schrumpfenden Bruttoinlandsprodukts besteht. Beides Gift für die hochverschuldeten Euro-Staaten und die EZB wird diesem Szenario erhöhte Aufmerksamkeit widmen.

Durch den negativen Zins könnte sie die Banken dazu zwingen ihre Liquidität in Form von Krediten endlich in den Wirtschaftskreislauf zu bringen statt bei der EZB zu bunkern.

Die erhöhten Geldmengen können so inflationäre Tendenzen erzeugen. Doch wie wappnen sich Anleger und Sparer nun für den Fall einer Deflation?

Schwere Zeiten für Sparbuchbesitzer und Tagesgeldhopper

Betrachten wir zunächst die kurzfristigen Folgen negativer Zinsen und einer Deflation. Für den klassischen Sparbuchbesitzer und Tagesgeldhopper brechen dann schwere Zeiten an, denn die Zinsen tendieren dann endgültig gen Null.

Wer mit Deflation rechnet, der sollte sich bevorzugt lang laufende Anleihen mit fixen Kupons zulegen. Deren Kurse dürften in diesem Szenario haussieren und so für erkleckliche Gewinne sorgen.

Eine zweite Lösung auf kurze Sicht ist, sich mit Aktien von Marktführern einzudecken. Fehlende Zinserträge und Deflation machen die Aktien fast alternativlos.

Marktführer und oligopole Strukturen können ihre Güterpreise weitestgehend stabil halten und gleichzeitig Einkaufspreise senken. Zudem erhöht eine niedrige Zinslast den Unternehmensgewinn.

Eine niedrige Verschuldungsquote ist hier von Vorteil, denn die realen Schulden können bei Deflation erdrückend wirken. Vorsicht ist bei länger anhaltender Deflation geboten, denn Aktien könnten dann langfristig in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Erwartung steigender Kaufkraft des Geldes kann für eine Nachfrageverschiebung in die Zukunft sorgen und die geringeren Umsätze zu sinkenden Gewinnen und Aktienkursen führen.