„Der Goldpreis wird noch weiter fallen“

David Donora von Threadneedle

David Donora von Threadneedle

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Von David Donora, Leiter Rohstoffe bei der britischen Investmentgesellschaft Threadneedle

In den vergangenen Wochen ist der Preis für Gold nach einem starken Jahresbeginn deutlich gefallen. Anfang 2012 betrug der Preis je Unze (31,1 Gramm) noch rund 1.560 US-Dollar, um Ende Februar auf fast 1.800 US-Dollar zu klettern.

Seitdem ist der Goldpreis jedoch stetig zurückgegangen. Derzeit befindet er sich wieder auf dem Niveau zu Jahresbeginn. Wir glauben, dass er noch weiter fallen wird: Mindestens auf seine nächste Unterstützungslinie von rund 1.525 US-Dollar bis 1.535 US-Dollar.

Die Suche nach dem sicheren Hafen

Unterdessen haben viele der Faktoren, die den Preis für das Edelmetall in den vergangenen sieben Jahren in schwindelerregende Höhen trieben, weiterhin Gültigkeit. Welche Gründe gibt es also für die jüngste Goldpreisschwäche? Wird sich die derzeitige Preisschwäche nur als vorübergehend erweisen?
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Einer der wichtigsten Faktoren für den Anstieg des Goldpreises im vergangenen Jahr war die Nachfrage nach sicheren Anlagen (im September wurde fast die 1.900 Dollarmarke pro Unze erreicht). Die Probleme der Eurozone verunsicherten die Anleger damals am meisten.

Nachdem die Dreijahrestender der Europäischen Zentralbank im Dezember den Anlegern eine vorübergehende Erleichterung bescherten, kamen in den vergangenen Monaten erneut Zweifel über die Zukunft der Eurozone auf. Im Gegensatz zum vergangenen Herbst ging der Goldpreis allerdings zurück.

Zuflucht suchten die Anleger stattdessen im US-Dollar und in anderen amerikanischen Vermögenswerten, wie etwa Staatsanleihen. Die veränderte Haltung zu Gold zeigt, dass die Anleger zunehmend die positiveren Aussichten in den USA –auch im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften – zur Kenntnis nehmen.

Allein nachdem Ben Bernanke, Vorsitzender der US-Notenbank (Fed), meinte, die US-Wirtschaft würde sich weiter erholen, büßte Gold an nur einem Tag (1. März 2012) fünf Prozent seines Wertes ein. Die Märkte interpretierten dies wiederum dahingehend, dass die Chancen auf eine weitere quantitative Lockerung rückläufig seien.