Die große Robo-Advisor-Interview-Reihe | Visualvest „Wir gehen von radikalen Fortschritten in Sachen Anlageberatung und Technologie aus“

Olaf Zeitnitz, Geschäftsführer des Robo-Advisor Visualvest | © Visualvest

Olaf Zeitnitz, Geschäftsführer des Robo-Advisor Visualvest Foto: Visualvest

Hier finden sie alle Teile der Interview-Reihe.

Ihr Unternehmen, die Branche, der Vertrieb 

DAS INVESTMENT: Was sehen Sie im Vergleich zum klassischen Finanzberater als Ihr größeres Asset an: Ihren Online-Vertriebsweg, der Ihnen enormes Kundenpotenzial bietet, oder Ihre skalierbaren Portfolio-Management-Lösungen, die Ihren Kunden attraktive, maßgeschneiderte Rendite-Risiko-Profile bietet?

Olaf Zeitnitz: Die Kombination beider Punkte kann als größtes Asset gesehen werden. Durch den online Vertriebsweg und vor allem die klar strukturierten Front-End Lösungen sind Robo-Advisor sehr intuitiv nutzbar und immer und jederzeit verfügbar. Daher können Interessenten sich in aller Ruhe und bequem von zu Hause informieren, ihr Depot abschließen, Zahlungen tätigen und jederzeit auf das Reporting zugreifen.

Zudem ist es für Anleger, die ohne großes eigenes Know-How eine passende Geldanlage suchen, bei der Vielzahl der Angebote auf dem Markt schwer, den Überblick zu behalten oder selber eine Entscheidung zu fällen. VisualVest empfiehlt Anlegern auf Basis ihrer Risikoneigung und der persönlichen Ziele ein passendes Portfolio. Der Vorteil für den Anleger: Er muss sich nicht selbst um die Recherche, den Kauf und Verkauf von Wertpapieren für seine Geldanlage kümmern. All das übernehmen die Profis von VisualVest für ihn. Das ist nicht nur bequemer und zeitsparend, wir sorgen mit der Auswahl von Fonds aus unterschiedlichen Anlageklassen in unseren Portfolios für eine breite Risikostreuung der Geldanlage. Die Kombination beider Assets führt somit zu einem hohen Komfort für den Kunden.

In Deutschland gibt es aktuell ein gutes Dutzend unabhängiger Robo-Advisor. Wie viele werden in den kommenden Jahren dazukommen?

Wir gehen davon aus, dass der Markt bei der Kundenzahl und dem Anlagevolumen in den nächsten Jahren weiterwachsen wird. Die Zahl der Robo-Advisor hingegen dürfte nicht unbedingt ansteigen und könnte möglicherweise sogar fallen. Aus unserer Sicht haben nicht alle aktuellen Anbieter ein funktionsfähiges Geschäftsmodell. Wir sehen die grundsätzliche Konkurrenzsituation positiv. Steigen neue Anbietet in einen Markt ein, entwickelt er sich weiter und erhält so auch mehr Aufmerksamkeit bei potentiellen Anlegern.

Robo-Advisor sind (noch) eine krasse Nische: Selbst die größten Robo-Advisor verwalten nicht einmal 50 Millionen Euro. Die Unternehmensberatung Oliver Wyman schätzt die verwalteten Vermögen aller unabhängigen Robo-Advisor hierzulande auf rund 100 Millionen Euro. Angesichts von Verwaltungsgebühren von weniger als ein Prozent dürfte Ihre Branche bislang nicht mehr als 1 Million Euro umsetzen. Auf der anderen Seite sagen Experten Ihrer Branche ein exponentielles Wachstum voraus: Schauen Sie bitte mal in Ihre Glaskugel: Wann wird der erste deutsche unabhängige Robo-Advisor die Eine-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten?

Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren mit einem exponentiellen Wachstum zu rechnen sein wird. Es ist allerdings schwer vorher zu sagen, wann die erste Milliarde überschritten wird, dies hängt auch von den Entwicklungen am Finanzmarkt und der Zinspolitik ab. In den USA haben Wealthfront und Betterment in einem größeren Markt einige Jahre gebraucht, um 4-5 Milliarden US-Dollar Bestand zu erreichen.  Wir schätzen deshalb, dass die erst Milliarde an Anlagevermögen erst ab dem Jahr 2019 erreicht wird.

Sprechen wir hier von Ihrem Unternehmen?

Ein Volumenwachstum ist nicht das vorrangige Ziel von VisualVest. Natürlich wollen wir die Kunden mit unserem Angebot überzeugen. Gleichzeitig möchten wir aber auch die Erkenntnisse aus unserem Geschäft in den genossenschaftlichen Sektor übertragen.

Können Sie uns Angaben zu Ihren aktuellen Kundenzahlen und dem verwalteten Vermögen machen?

VisualVest ist seit März 2016 auf dem Markt. Seitdem verzeichnen wir wöchentlich steigende Kundenzahlen. Da wir erst seit vier Monaten am Markt sind, können wir allerdings noch keine konkreten Zahlen nennen, wir möchten erst einen längerfristigen Trend abwarten. Das verwaltete Vermögen liegt im erwarteten Bereich. Da wir uns an eine junge, bislang nicht fondsaffine Zielgruppe wenden, haben wir überwiegend Kunden mit Sparplänen. Daher erwarten wir eine kontinuierliche Steigerung unseres verwalteten Vermögens über die nächsten Monate. 

Häufig heißt es: Die größte Wachstumsbremse für Robo-Advisor ist die fehlende Marketing-Power aufgrund von beschränkten Werbebudgets. Stimmen Sie dem zu?

Dies spielt sicher eine Rolle. Da vielen Anlegern der Begriff Robo-Advisor noch nicht bekannt ist, muss diese Bekanntheit erst einmal geschaffen werden.

Welche Wachstumsbremse würden Sie außerdem gerne gelöst wissen?

Die größte Herausforderung wird sein, das Vertrauen der Anleger in die Anlageform der Robo-Advisor herzustellen. Es handelt sich um einen Paradigmenwechsel, eine gänzlich neue Form der Beratung, die sich erst bei Anlegern etablieren muss. Die wichtigste Grundlage dafür ist Transparenz, Verständnis und Sicherheit. Nur Anleger, die das Angebot verstehen, werden ihr Geld bei VisualVest oder einem anderen Robo-Advisor anlegen. Wir glauben, dass sich ein solides, diversifiziertes, transparentes und damit faires Angebot langfristig am Markt durchsetzt.

Welche Marketing- und Vertriebsaktivitäten haben sich bei Ihnen als besonders effektiv und effizient herausgestellt? Bitte beschreiben Sie uns einen kleinen Case!

Als besonders effektiv und effizient ergaben sich Marketingmaßnahmen mit sogenannten Influencern wie Bloggern, YouTuber usw. Da wir versuchen, eine junge online affine Zielgruppe anzusprechen, sind diese Kanäle sehr zielführend. Influencer genießen bei Ihren Followern ein gewisses Vertrauen und besitzen Glaubwürdigkeit. Dies spielt in Sachen Finanzanlagen und vor allem bei Robo-Advisorn eine sehr wichtige Rolle.

VisualVest hat zum Beispiel mit dem YouTube-Star Cheng Low ein Video produziert. Dies wurde im April 2016 auf seinem YouTube Kanal veröffentlicht. In diesem Video geht Cheng auf sein Leben und den Umgang mit Geld ein. Die Resonanz war sehr erfolgreich. Das Video erreichte innerhalb weniger Tage 800.000 Aufrufe.

Wie betreiben Sie Content-Marketing? Nur online oder auch offline? Per Agentur oder mit eigenen Autoren? Und welche Social-Media-Kanäle funktionieren am besten?

Content Marketing findet bei VisualVest hautsächlich online statt. Dabei generieren wir unseren Content zum größten Teil selbst oder in Kooperation mit unserer Social-Media-Agentur. Es hat sich gezeigt, dass die Kombination aus mehreren Social-Media-Kanälen am besten funktioniert. Dadurch kann die Zielgruppe mit unterschiedlichen Themen und Ansprachen optimal erreicht werden.

Oft heißt es: Wer seine Kunden nicht kennt, wird zu den Verlierern der Digitalisierung gehören. Wie gut kennen Sie Ihre Kunden? Und wie nutzen Sie dieses Wissen über das reine Portfolio-Management hinaus?

Dem stimmen wir zu. Durch verschiedene Marktforschungen, einem umfangreichen Projekt mit einer online Mitmach-Community und Feedback von Kunden und Interessenten, konnten wir uns ein sehr gutes Bild von den Bedürfnissen unserer Kunden machen. Das gewonnene Wissen nutzen wir, um unsere Anwendung ständig weiterzuentwickeln. Beispielsweise bieten wir seit Ende Mai Portfolios mit rein nachhaltigen Fonds an, da das Thema Nachhaltigkeit einen wichtigen Aspekt für die Zielgruppe darstellt.