Digitalisierung und Regulierung „Diesen Vermögensverwaltern stehen schwere Zeiten bevor“

Digitalisierung: Auch Vermögensverwalter müssen sich auf neue Technologien vorbereiten. | © rawpixel.com

Digitalisierung: Auch Vermögensverwalter müssen sich auf neue Technologien vorbereiten. Foto: rawpixel.com

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Hugo Lasat, Degroof Petercam AM

Europaweit geht von der Verschärfung des Rechtsrahmens Druck auf Asset-Management-Unternehmen aus. Wie stellt sich das Umfeld für die Branche aktuell dar?

Hugo Lasat: Die Verwaltungsgebühren und Einkommen von Vermögensverwaltern sind infolge der zunehmenden Transparenz unter Druck geraten. Die passive Verwaltung gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Kunden, die sich aus Kostengründen für ein diskretionäres Portfoliomanagement entscheiden, exponentiell an. Um sich in dieser Welt des Wandels am Markt halten zu können, werden alle Akteure Flagge zeigen müssen. Vermögensverwaltern, die sich nicht für ein offenes Geschäftsmodell entscheiden, stehen schwere Zeit bevor. Ich bin zutiefst überzeugt, dass in diese Richtung keine Entscheidung zu treffen ein Scheitern bedeutet.

Wie sollten sich einzelne Asset-Management-Unternehmen Ihrer Meinung nach verhalten?

Es wird immer wichtiger, den eigenen Mehrwert nach außen hin zu kommunizieren. Vermögensverwalter sind gefordert, ihre Strategien auf klare Managementmodelle auszurichten. Strategien wie ‚halb-aktiv und ein bisschen passiv‘ könnten in die Sackgasse führen. Woran ich fest glaube sind Player, die sich auf Nischen spezialisieren.

Außerdem wird meiner Meinung nach das Research branchenweit unterschätzt. Als klassischer aktiver Verwalter von Long-Only-Investmentstrategien strebt Degroof Petercam Asset Management neben der Anlage in Aktien und Anleihen insbesondere Multi-Assets-Strategien und quantitative Investments an. Nachhaltigkeit und Research ziehen sich als roter Faden durch alle Aktivitäten der Verwaltungsgesellschaft.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass dem Research relativ wenig Bedeutung beigemessen wird?

Analysten werden häufig nur als Kostenfaktor betrachtet. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Der durch internes Research erzielte Mehrwert wird in der Branche vielfach nicht richtig eingeschätzt. Unsere Analysten haben nur zwei Ziele: Zum einen ihre guten Anlageideen für unsere Portfolios und Fondsmanager einzubringen und zum zweiten als Resonanzboden für die Manager zu fungieren. Selbstverständlich greifen wir auch auf das Research von externen Dienstleistern zurück. Jedoch geben interne Entscheidungen in unseren Prozessen weiterhin den Ausschlag.

Eine Entwicklung der vergangenen Jahre ist der rasante Aufstieg der alternativen Assetklassen. Wie stehen Sie dazu?

Das Streben nach Rendite drängt viele Anleger im aktuellen Kontext in alternative Anlageklassen. In der Tat gibt es schier unerschöpflichen Möglichkeiten im heutigen Anlageuniversum. Das bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Jedoch ist auch Wachsamkeit geboten, denn es lauern auch einige Fallstricke.

Grundsätzlich können die alternativen Anlagen als Bereicherung gesehen werden. Es ist nicht gut, wenn wir in unserer Branche immer nur simultan das Gleiche tun. Denn dies hat nicht unbedingt einen positiven Effekt auf Marktbewertungen und zukünftige Renditen.

Aber man muss auch sehen, dass zum Beispiel Hedgefonds nach Jahren enttäuschender Ergebnisse immer mehr an Attraktivität verlieren. Selbst der Private Equity-Sektor kann seine Zielrenditen nicht fortlaufend erreichen, was auf die erheblichen Mengen an Liquidität zurückzuführen ist, die in die Branche gepumpt werden.

Wir beobachten einen enormen Zustrom in Infrastrukturprojekte, besicherte Kredite, Flugzeugleasing, Private Equity und andere alternative Anlageklassen. Auch hier ist Vorsicht geboten. Im Bereich Private Equity zum Beispiel warten derzeit rund eine Billion Dollar an Barbeständen weltweit darauf, investiert zu werden. Das ist eine gigantische Summe. Die Folge davon könnte sein, dass künftige Renditen nicht mehr dem heutigen Stand entsprechen.