Dividendenfonds: Zahltag für Aktionäre

Hauptversammlung der Deutschen Telekom <br> im April 2009 <br> Quelle: Telekom AG

Hauptversammlung der Deutschen Telekom
im April 2009
Quelle: Telekom AG

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Auf lange Sicht machen Dividendenrendite und Dividendenwachstum mit über zwei Dritteln den Großteil der Gesamtrendite einer Aktie aus“, sagt Nicolas Simar. Bei ING Investment Management ist Simar für den ING Invest Euro High Dividend verantwortlich, einen von 56 Aktienfonds mit deutscher Vertriebszulassung, die gezielt in Unternehmen mit hohen jährlichen Ausschüttungen investieren.

Neben global anlegenden und europäisch ausgerichteten Fonds gibt es mittlerweile auch eine Handvoll Produkte, die ausschließlich auf Ausschüttungen aus Fernost setzen. Diese Fonds haben während der Krise am wenigsten unter dem Ausverkauf der Finanzwerte gelitten und stehen im Drei-Jahres-Vergleich recht solide da. Dieses Ergebnis darf aber nicht über die für Schwellenländermärkte übliche hohe Volatilität hinwegtäuschen.

ING-Manager Simar erwartet nach einer Phase der Dividendenkürzungen nun, dass im laufenden Jahr kräftige Ertragszuwächse für eine Trendwende sorgen. Als Beispiel nennt er den amerikanischen Chiphersteller Intel, der jüngst seine vierteljährliche Dividende um 12,5 Prozent erhöhte. In diesem Jahr hält Simar ein Dividendenwachstum von mindestens 10 Prozent für möglich Der ING-Manager weiter: „Wir erwarten 2010 an den globalen Aktienmärkten eine Rendite von 15 bis 20 Prozent. Auf die Dividenden wird dabei ein zunehmend größerer Anteil an den absoluten Erträgen entfallen.“

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In der Tat spricht einiges dafür, dass solide Unternehmen mit hohen Ausschüttungen von der Börse 2010 ähnlich hofiert werden wie bereits 2004. Damals – ein Jahr, nachdem die Aktienmärkte ihre im Frühjahr 2000 begonnene Talfahrt beendet hatten – entwickelten sich in einem steigenden Aktienmarktumfeld dividendenstarke Titel besser als Wachstumsunternehmen. Genau genommen hatte die relative Stärke bereits 2003 begonnen. Das war im Partyjahr 2009 anders: Nach der Finanzkrise gab es zunächst einen „Run auf Verlierer“ – Unternehmen, die allein durch Rettungsmaßnahmen überlebt haben. Ihre Aktienkurse stiegen deutlich kräftiger als die der Unternehmen mit soliden Bilanzen, die kaum externe Hilfe benötigten.

Verharren die Börsen in einer Seitwärtsbewegung, ist eine hohe Dividende ein wichtiges Entscheidungskriterium

In Zeiten, in denen Aktien zweistellige jährliche Renditen erzielen, erscheinen Dividendenrenditen von 4 bis 5 Prozent mager. Verharren die Börsen aber in einer Seitwärtsbewegung, ist eine hohe Dividende ein wichtiges Entscheidungskriterium. Noch dazu, weil die meisten Dividendenfonds aufgrund ihres eher defensiven Charakters eine niedrigere Volatilität aufweisen.

Zwei weitere Phänomene sprechen derzeit für Substanzwerte mit hohen Ausschüttungen: Die Dividendenrendite übertrifft in vielen Sektoren die von Unternehmensanleihen. Dies gilt vor allem für grundsolide Branchen: Telekommunikationsanbieter, Versorger und Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Und auch die zurzeit niedrig verzinsten Staatsanleihen stellen dividendenstarke Aktien mühelos in den Schatten.

„Bei Staatsanleihen bleibt der Kupon unverändert, erstklassige Unternehmen erhöhen die Dividende praktisch jedes Jahr“

„Während bei Staatsanleihen der Kupon unverändert bleibt, erhöhen erstklassige Unternehmen die Dividende praktisch jedes Jahr“ sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarktexperte beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach & von Storch. Im europäischen Leitindex Stoxx 50 liegt die Dividenenrendite derzeit im Schnitt bei 4 Prozent. Ein Prozentpunkt mehr, als zehnjährige Bundesanleihen abwerfen. Das gab es in der Vergangenheit noch nie.

Wer allerdings bei der Titelauswahl lediglich die aktuelle Dividendenzahlung zurate zieht, macht es sich zu einfach. „Das ist wie beim Blick in den Rückspiegel“, warnt ING-Manager Simar. Viel entscheidender sei es, den Blick nach vorne zu richten. „Die Höhe der aktuellen Rendite alleine ist kein Garant für dauerhaft lohnenswerte Erträge“, erklärt auch Berndt Maisch, Manager des BWI-Dividenden-Strategie Euro. Er kritisiert, dass sich viele Fonds in der Vergangenheit ausschließlich auf die historische Dividendenrendite konzentriert hätten: „Das hat zu einer hohen Konzentration von Finanzwerten geführt, weil Banken traditionell hohe Beträge ausschütten.“ Stattdessen plädiert Maisch dafür, stärker auf fundamentale Daten und damit auf die Nachhaltigkeit der Dividendenpolitik zu achten.