DWS-Manager im Gespräch: „Wir reden von 1 bis 2 Billionen Euro“

Christian Hille, DWS

Christian Hille, DWS

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DAS INVESTMENT.com: Es gibt keine sicheren Häfen mehr. Die Zeiten haben sich geändert. Sie sich auch?

Christian Hille: Risikostreuung im klassischen Sinne ist schwierig geworden. Seit der Krise laufen viele Anlageklassen ähnlich. Die Korrelation zwischen Aktien und Rohstoffen war beispielsweise noch nie so hoch wie heute. Trotzdem ergibt eine Asset Allocation noch immer Sinn. Nur anders, aktiver. Wir schauen, in welchen Anlageklassen man, relativ betrachtet, gerade engagiert sein sollte. Hinzu kommt ein Risiko-Overlay, ein zusätzliches System, das harte Markteinbrüche abfedern soll. Es geht hier gar nicht um Outperformance, sondern darum, die starken Schwünge und Einbrüche im Markt abzumildern.

DAS INVESTMENT.com: Wie wollen Sie Risiken vorab erkennen?

Hille: Zum Beispiel mit Hilfe von Indikatoren, die Risiko, Makro und Makro Surprise, also Überraschungen auf volkswirtschaftlicher Ebene, identifizieren und analysieren. Je nachdem, wie viel Gefahr die drei Werte anzeigen, gehen wir in den Portfolios Risiken ein. Das ist keine binäre Entscheidung mit Risiko an und aus. Das passiert in Stufen.

DAS INVESTMENT.com: Warum?

Hille: Der Markt funktioniert nicht mehr normal. Die Geldspritzen der Zentralbanken, deren Effekt immer geringer wird, und der Risiko-An-und-Aus-Modus vieler Anleger machen es uns schwer. Das trennt den Markt von seinem fundamentalen Umfeld. Dann ist es Zeit für Schutz durch das Overlay.

DAS INVESTMENT.com: Mit Derivaten.

Hille: Für kurzfristige Maßnahmen ja. Alles andere wäre zu teuer. Wenn wir längerfristige Vorgänge bemerken, ändern wir unser Portfolio aber direkt.

DAS INVESTMENT.com: Wird der Markt irgendwann wieder normal?

Hille: Da bin ich sicher. Ich weiß nur nicht, wann. Die Banken sind gerade dabei, sich weiter zu entschulden, Hebel abzubauen. Dabei reden wir von weltweit 1 bis 2 Billionen Euro. Nicht zu vergessen die Staaten, die ihre Schuldenprobleme lösen müssen.

DAS INVESTMENT.com: Was ein bisschen dauern könnte.

Hille: Das sind langwierige Prozesse. Aber es gibt eben auch Strategien, die selbst in solchem Marktumfeld funktionieren. Zum Beispiel Dividendenstrategien oder Strategien, die auf qualitatives Wachstum setzen, sogenanntes Quality Growth.