Emmanuel Macron Polit-Neuling zwischen vielen Fronten

Der neue französische Staatspräsident bei der Siegesfeier zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai in Paris: Die eigentliche politische Arbeit beginnt erst. | © Getty Images

Der neue französische Staatspräsident bei der Siegesfeier zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai in Paris: Die eigentliche politische Arbeit beginnt erst. Foto: Getty Images

Längerfristig sollte unbedingt berücksichtigt werden, dass Macron politisch völlig unerfahren ist. Seine politische Bewegung ist erst ein Jahr alt, gibt Philippe Brugère-Trélat, Executive Vice President bei Franklin Mutual Series, zu bedenken.

„Die brennendste Frage lautet daher, ob Macron in der Lage sein wird, sich eine politische Mehrheit zu verschaffen, um die Umsetzung seines Reformprogramms zu unterstützen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass am 11. und 18. Juni die französischen Parlamentswahlen stattfinden sollen. Ihr Ausgang dürfte entscheidend dafür sein, ob Macron in der Lage sein wird, seine Wahlversprechen zu erfüllen.“

Brugère-Trélat geht davon aus, dass die Wahlen im Juni zu einem weitgehend zersplitterten Parlament führen werden. Zu Beginn der Präsidentschaftswahl gab es vier Kandidaten, die sehr unterschiedliche Bereiche des politischen Spektrums repräsentierten und auf die jeweils rund 20 Prozent der Stimmen entfielen. „Diese Zersplitterung dürfte sich auch in der Zusammensetzung der neuen französischen Nationalversammlung widerspiegeln“, blickt Brugère-Trélat voraus. Macron werde mit allen Seiten verhandeln müssen, um seine geplanten Reformen durchzusetzen.

Hinzu kommt: Um seine Arbeitsmarktreformen durchzusetzen, wird Macron sich mit den französischen Gewerkschaften auseinandersetzen und ihre enorme Macht beschneiden müssen. Wenn die Reformen gelingen, könnten sie der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt in Frankreich nützen und die Aussichten für ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verbessern.

Welche Aktiensegmente könnten profitieren?

Die Finanzmärkte dürften den Sieg von Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl zwar begrüßen. Die Kursrally werde durch die Erwartung steigender Zinsen und der Fokussierung auf die Herausforderungen für Macron jedoch voraussichtlich gedämpft, bilanziert Uwe Zöllner, Head of Pan-European Equity bei Franklin Local Asset Management.

Die neue Regierung werde eine investitionsfreundlichere Politik verfolgen und stärker nach rechts rücken. Die Parteien, deren Kandidaten im ersten Wahlgang gescheitert sind, dürften alles daran setzen, bei den Parlamentswahlen im Juni Sitze im Parlament zu erringen, um Einfluss geltend zu machen, so Zöllner. Verweigern die rechten und linken Mainstreamparteien im Parlament jedoch die benötigte Unterstützung, könnten Macrons  gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformpläne deutlich gebremst werden.

Sollte sich Macron mit seinen politischen Plänen durchsetzen, dürften vor allem Aktien aus den Bereichen saubere Energie, Forschung und Entwicklung (F&E), Technologie, Gesundheit und Infrastrukturprojekte profitieren.

Darüber hinaus dürfte Macrons Wahlsieg voraussichtlich Aktien zugutekommen, die von einem Aufschwung in Frankreich getragen werden, vor allem zyklische Substanzwerte, sowie Aktien, die von einer möglichen Senkung der Körperschaftssteuer beflügelt würden. Und nicht zuletzt wird Macrons Wahlsieg sich voraussichtlich positiv auf die Peripherieländer Europas auswirken, allen voran auf zyklische Aktien.