Emotionen überlagern logisches Denken Beliebte Denkfehler bei der Geldanlage

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment

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Haben Sie schon mal einen Abend in einer Theatervorstellung verbracht, die Ihnen nicht gefallen hat? In der Sie aber trotzdem bis zum Schluss ausgeharrt haben, weil die Eintrittskarte ja schließlich gutes Geld gekostet hat? Oder sich dazu gezwungen, ein Buch, durch das Sie sich schon bis zur Mitte durchgequält haben, zu Ende zu lesen, weil sonst die bisherige Mühe umsonst gewesen wäre?

Jeder von uns hat schon einmal so oder ähnlich gehandelt, denn wir sind Menschen. Und das menschliche Gehirn ist so gestrickt, dass wir Dinge auf eine ganz bestimmte, manchmal unlogische Weise tun.

Die oben beschriebenen Verhaltensweisen sind alles, nur nicht logisch. Denn haben Sie 100 Euro für eine Theaterkarte ausgegeben, sind die 100 Euro unwiederbringlich weg. Fachleute nennen das versunkene oder irreversible Kosten. Nichts bringt diese 100 Euro zurück. Wenn Ihnen die Theatervorstellung also nicht gefällt, könnten Sie ebenso gut gehen und etwas tun, das Ihnen mehr Spaß macht, zum Beispiel etwas Leckeres essen. Was ist besser?

Versunkene Kosten sind nur ein Beispiel für Denkfehler, die die Wissenschaft „kognitive Fehler“ nennt und bei denen Emotionen unser logisches Denken überlagern. Weil wir Menschen sind, passiert uns so etwas ständig. Und weil Anleger, ob Profis oder Amateure, auch nur Menschen sind, passieren ihnen solche Denkfehler auch. In der Welt der Geldanlage ist die Beschäftigung mit diesen Denkfehlern Teil der verhaltensorientierten Finanzierungslehre, auch Behavioural Finance genannt.

Solche Verhaltensmuster zu erkennen und Möglichkeiten zu finden, ihnen aus dem Weg zu gehen – das unterscheidet die erfolgreichsten Anleger der Welt vom Rest. Alle kognitiven Denkfehler zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Deshalb hier nur zwei weitere Beispiele, um das Prinzip zu verdeutlichen.

Wie hält man sich von der Herde fern?


Einer der häufigsten Denkfehler ist der Herdentrieb. Er bringt Menschen dazu, der Masse zu folgen und ist in der Geldanlage ebenso unwiderstehlich wie beispielsweise in der Mode. Er ist die treibende Kraft hinter der Bildung von Blasen und ihrem Platzen. Den Herdentrieb zu verstehen und ihn zu meiden ist eine der besten Anlagestrategien überhaupt. Die Dotcom-Blase Ende der 1990er ist hierfür ein gutes Beispiel.

Vielen Anlegern war es völlig schleierhaft, warum Internetaktien so unglaublich wertvoll sein sollten. Aber mit den Jahren stiegen ihre Kurse weiter und weiter. Schließlich sprangen immer mehr Anleger auf den Zug auf in der Überzeugung, dass all die anderen cleveren Leute schon wüssten, was sie tun. Das aber erwies sich als fatale Fehleinschätzung, wie wir heute wissen.