Flossbach-von-Storch-Stratege Philipp Vorndran: „Während Trumps Mauerbau-Diskussion haben wir mexikanische Peso-Bonds gekauft“

Investmentstratege bei Flossbach von Storch Philipp Vorndran | © Uwe Nölke, Ricarda Piotrowski

Investmentstratege bei Flossbach von Storch Philipp Vorndran Foto: Uwe Nölke, Ricarda Piotrowski

Im Interview mit unserem Portal gibt der Chefstratege des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch, Philipp Vorndran, eine Einschätzung zur Marktlage, spricht über die Zinspolitik der Zentralbanken - und verrät, wie man bei Flossbach von Storch Investmentgelegenheiten ergreift. Vorndran ist am 22. Mai zu Gast auf dem Münchner Vermögenstag und spricht über „Robustheit als Antwort in fragilen Zeiten“.
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DAS INVESTMENT.com: Im vergangenen Jahr sahen Sie einen langfristigen Aufwärtstrend an den Aktien-Märkten. Glauben Sie immer noch daran – immerhin sind die großen Indizes seitdem bereits stark weitergestiegen?

Philipp Vorndran: Der langfristige Aufwärtstrend ist unseres Erachtens intakt, ja – was Rücksetzer logischerweise nicht ausschließt. Schaut man sich die Bewertungen an, liegen die im historischen Vergleich nahe den Durchschnittswerten. Aktien sind also noch nicht zu teuer. Diese Einschätzung gilt er erst recht, wenn man sich die Anlagealternativen anschaut.

Viele Marktexperten halten den US-Aktienmarkt derzeit für zu teuer. Ihr Flaggshiff-Fonds Flossbach von Storch Multiple Opportunities hat in US-Titeln die größte Gewichtung. Halten Sie das nicht für eine Gefahr?

Vorndran: Eine sehr pauschale Einschätzung. Wir investieren nicht in den US-Markt, sondern in ausgewählte Unternehmen; das ist eine ganz andere Herangehensweise. Und da kommt es – wie so oft – auf den Einzelfall an. Ein Problem bei der Analyse ist zudem die fehlende Vergleichbarkeit. Im Vergleich zu wem ist der US-Markt denn zu teuer ­– dem europäischen Markt? Das Problem ist doch, dass sich beide schlicht nicht miteinander vergleichen lassen. In Europa gibt es keine Unternehmen wie Alphabet, Amazon, Microsoft, Apple oder Facebook.

In den USA ist die Zinswende mittlerweile vollzogen worden. Geht es bei Leitzinsen hier jetzt relativ zügig wieder nach oben?

Vorndran: Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Eine Zinswende, die den Namen auch verdient, hat es nicht gegeben – und sie wird es unseres Erachtens auch nicht geben. Die US-Notenbank kann ihren Leitzins nur sehr moderat anheben. Sie muss sich nicht zuletzt an dem orientieren, was in anderen Währungsräumen passiert – in Japan oder der Eurozone beispielsweise. Dort dürfte das Zinsniveau noch sehr lange sehr niedrig bleiben. Kurzum: Zinsniveaus von vor der Finanzkrise, vier oder gar fünf Prozent, gehören auch in den USA der Vergangenheit an. Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank, sieht das übrigens ganz ähnlich.

Sie haben vor rund einem Jahr gesagt, dass eine Umkehr der EZB-Geldpolitik kaum mehr möglich sei. Es gehe darum, „den Flieger mit maximalem Schub in die Luft zu bekommen, um sich dann auf eine Notlandung vorzubereiten“. Sehen Sie das immer noch so?

Vorndran: An dieser Einschätzung hat sich nichts verändert. Sollte die EZB ihren Zins in Zukunft deutlicher anheben, stünden gleich mehrere Eurostaaten vor massiven Refinanzierungsproblemen; die Eurozone befände sich dann in Auflösung … oder wir bräuchten unweigerlich den Eurobond. Mario Draghis Aussage, man werde alles tun, um den Euro zu retten, gilt nach wie vor – die Geldpolitik bleibt unseres Erachtens locker. Mit all ihren Risiken und Nebenwirkungen. Etwa den wachsenden Problemen der Banken, die unter der sinkenden Zinsmarge leiden. Oder einer möglichen Überhitzung am Immobilienmarkt.