Folgen der US-Präsidentschaftswahl Was Schwellenländer-Investoren erwartet

Containerschiff im Hafen von Hongkong | © Getty Images

Containerschiff im Hafen von Hongkong Foto: Getty Images

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Über den größten Teil des Jahres 2016 wurde die Wertentwicklung von Schwellenländer-Assets durch ein einzigartiges Zusammenspiel von sogenannten Push- und Pull-Faktoren gefördert. Der 8. November mit dem Wahlsieg von Donald Trump bei einer gleichzeitigen republikanischen Mehrheit im US-Kongress markiert einen Wendepunkt. Das Umfeld könnte in Zukunft mit einer expansiven Fiskalpolitik in den USA bei gleichzeitig restriktiverer US-Geldpolitik und einer protektionistischen Handelspolitik vielschichtiger ausfallen und Schwellenländer als Anlageklasse vor Herausforderungen stellen.

Anleger haben bereits teilweise reagiert: So gaben die Bewertungen der Schwellenländerpapiere und auch die Kapitalzuflüsse in Schwellenländer in den Tagen nach der US-Präsidentschaftswahl rasch nach. Wir bei Pimco sind jedoch der Meinung, dass die Konsequenzen des Wahlausgangs differenzierter sind: Die Unterschiede innerhalb der Anlageklasse sollten fortbestehen und auch die Unterschiede zwischen Gewinnern und den Verlierern dürften sich unserer Meinung nach stärker herauskristallisieren – je nachdem, welche der möglichen Kombinationen von Geld-, Handels- und Fiskalpolitik sich in den USA letztlich durchsetzen wird. Dabei scheint zumindest eine Sache sicher: Anleger werden flexibel reagieren müssen, um in diesem Umfeld zu bestehen.

Prognose: US-Notenbank erhöht Zinsen gemächlich

Gegenwärtig deutet nichts darauf hin, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) von ihrer allmählichen Normalisierung der Geldpolitik abweicht – insbesondere, da eine expansivere Fiskalpolitik bislang nur im Raum steht und ihre Umsetzung definitiv Zeit brauchen wird. Vor diesem Hintergrund sollten Schwellenländer mit höheren Zinsniveaus und verbesserter Außenbilanz an ihre langfristig positive Wertentwicklung anknüpfen, während Niedrigzins-Länder mit unterdurchschnittlichem Wachstum weiter hinterherhinken dürften.

Angesichts der Möglichkeit beträchtlicher fiskalpolitischer Stimulierungsmaßnahmen, die Trump im Zuge seines Wahlkampfes in Aussicht gestellt hat, fragen sich die Marktteilnehmer nun, ob sich eine eher restriktiv ausgerichtete Fed zu Zinsanhebungen veranlasst sehen wird, während die Inflation und die US-Konjunktur anziehen. Dies würde sich unterschiedlich auf die Schwellenländer auswirken: mit potenziellen Vorteile einer wachsenden US-Nachfrage nach Importgütern sowie Nachteilen eines steigenden US-Zinsniveaus, das den US-Dollar vermutlich kräftigen und das Umfeld für Schwellenländerpapiere erschweren dürfte.

Auch wenn protektionistische Handelspraktiken in den anfänglichen Äußerungen des künftigen US-Präsidenten bislang noch keine explizite Erwähnung fanden, waren sie ein zentraler Bestandteil seines Wahlprogramms. In vergangenen Konjunkturzyklen trug das Wachstum des Welthandels maßgeblich zur Entwicklung der Schwellenländer bei, und da es in allen internationalen Beziehungen zunehmend zu Spannungen kommt, reicht die Ungewissheit bezüglich der US-Handelspolitik aus, einen Schatten auch auf die Anlageklasse zu werfen.