Fondsboutiquen Kleine Größen

Elegante Ladengeschäfte in der New Bond Street, London: Auch Fondsboutiquen können mit Exklusivität punkten | © Getty Images

Elegante Ladengeschäfte in der New Bond Street, London: Auch Fondsboutiquen können mit Exklusivität punkten Foto: Getty Images

FABIAN LEUCHTNER und Dimitri Widmann kennen sich schon aus Studienzeiten. Nach ein paar Jahren beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch entschlossen sich die beiden 2016, mit Aguja Capital ein eigenes Unternehmen zu gründen. Ganz auf eigene Faust ging dies jedoch nicht, zu hoch sind die Regulierungs- und Dokumentationsanforderungen. In der Augsburger Fondsboutique Discover Capital fanden sie aber einen geeigneten Partner.

Auch Georg Oehm und Daniel Flaig nutzen die Vorteile einer Fondsboutique. Sie managen schon seit vielen Jahren Familienkapital nach ihrer Aktienstrategie. 2013 hüllte das deutsch-schweizerische Duo diese in einen Ucits-Fonds, den Mellinckrodt German Opportunities, und begab sich 2016 mit dem Status des Anlageberaters für den Fonds unter das Dach der Boutique Greiff Capital.

Die Beispiele verdeutlichen ein wesentliches Merkmal von Fondsboutiquen: Die Manager oder Anlageberater der Fonds und ihre meist sehr speziellen Strategien stehen im Vordergrund. So liefern Fondsboutiquen für viele Investoren ein willkommenes Kontrastprogramm zu den großen Fondsgesellschaften.

Denn diese sind oft Vollsortimenter: Sie bieten neben Fonds für die großen Aktien- und Anleihemärkte meist noch regionale oder sektorale Nischenfonds und Multi-Asset-Strategien. Neue Produkte entstehen aufgrund von Markttrends und potenziell hoher Kundennachfrage: Denn die Fonds brauchen ein gewisses Volumen, damit sie sich für den Anbieter rechnen.

Auch wenn große Gesellschaften teils exzellente Fonds in ihrer Palette haben, können sie dieses Niveau nicht auf allen Anlagegebieten halten. Und spezielle Ansätze lassen sich nur schwer im Rahmen von vorgesteckten Leitlinien umsetzen.

Hier sind die Fondsboutiquen im Vorteil. Eine feste Definition gibt es für sie allerdings nicht. Letztlich werden darunter kleinere Asset Manager zusammengefasst. Einige haben eine KVG-Zulassung, andere suchen sich die entsprechenden Partner. Es gibt jedoch eine ganze Reihe an positiven Merkmalen, die Boutiquen zugeschrieben werden. Viele dieser Häuser sind eigentümergeführt und verfolgen eine langfristige Geschäftsstrategie ohne Quartalspanik. Und während große Häuser oft anonymer sind und mit wechselnden Ansprechpartnern aufwarten, überzeugen die kleineren Gesellschaften mit personeller Stabilität – und es existieren oftmals langjährige Kundenbeziehungen.