FPSB-Chef Rolf Tilmes „Mischfonds sind keine Alleskönner“

Rolf Tilmes ist Vorstandsvorsitzender des Interessenverbands für Finanzplaner Financial Planning Standards Board (FPSB) Deutschland. | © European Business School

Rolf Tilmes ist Vorstandsvorsitzender des Interessenverbands für Finanzplaner Financial Planning Standards Board (FPSB) Deutschland. Foto: European Business School

DAS INVESTMENT: In den vergangenen Jahren hätten Anleger mit Mischfonds relativ einfach Gewinne erzielen können, mittlerweile drohten ihnen damit aber Verluste, haben Sie kürzlich gesagt. Warnen Sie also vor Mischfonds?

Rolf Tilmes: Das sollte keine Schelte sein. Viele Fondsmanager machen keinen schlechten Job. Ich möchte vielmehr hervorheben: Mischfonds sind keine Alleskönner, die in jeder Wetterlage top Ergebnisse erzielen. Zwei Bedenken habe ich.

Die wären?

Tilmes: Zum einen die neue Investmentbesteuerung. Seit  Jahresbeginn gelten neue Steuerregeln, die Mischfonds steuerlich begünstigen, wenn sie dauerhaft einen hohen Aktienanteil im Portfolio garantieren. Wenn sie steueroptimal ausgerichtet werden, ändert sich vielleicht aber auch ihre Anlagestrategie. Das kann sich negativ auswirken.

Und Ihre zweite Sorge?

Tilmes: Sie betrifft die beiden Grundbestandteile von Mischfonds, Aktien und Anleihen. Das Zinsumfeld ändert sich gerade, die US-Notenbank Fed zieht die Leitzinsen kontinuierlich an. Bei steigenden Zinsen fallen Anleihekurse und Anleger erleiden dadurch Verluste. Auf Aktienseite dagegen sieht man in den USA zwar noch immer Höchststände, aber nach neun Jahren Kurssteigerungen sind auch dort und an anderen Märkten die Aufwärtsmöglichkeiten begrenzt. Und wir geraten in ein schwieriges Umfeld durch Krisen in der Türkei, in Italien, durch den Brexit und Handelskriege. Bei Mischfonds drohen also auf der Anleihen- wie auf der Aktienseite Verluste.

Nach aktuellen Absatzstatistiken sind Mischfonds allerdings bei Anlegern ungebrochen beliebt.

Tilmes: Sie lassen sich argumentativ gut verkaufen. Nach dem Motto: Du musst Dich um nichts kümmern, der Fondsmanager wird sich immer wieder der Marktlage anpassen. Anleger behalten sie durchschnittlich auch sehr lange im Portfolio.