GDV-Umfrage „Solvency II muss verschlankt werden“

GDV-Geschäftsführer Axel Wehling

GDV-Geschäftsführer Axel Wehling

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Die EU-Richtlinie Solvency II ist viel zu kompliziert und im Alltag schwer umzusetzen, finden deutsche Versicherungsunternehmen. Der Branchenverband GDV hat seine Mitglieder nach den Auswirkungen der im Januar 2016 in Kraft getretenen Versicherungsrichtlinie gefragt. Die Versicherer sollten eine Einschätzung zu den verschiedenen Anforderungen geben, die Solvency II ihnen auferlegt.

Die Versicherungsrichtlinie umfasst im Kern drei Grundanforderungen, denen Versicherer nachkommen müssen. Sie werden auch als die „drei-Säulen“ bezeichnet: Solvency II macht Vorgaben zum Solvenzkapital, das Versicherer vorhalten müssen, zur aufsichtsrechtliche Prüfung der Unternehmen und zu ihren Offenlegungspflichten.

Die vom GDV befragten Versicherer stellen dem EU-Projekt ein ernüchterndes Zeugnis aus: 97,3 Prozent der Befragten bezeichnen die Solvency-II-Vorschriften als unverhältnismäßig komplex. Der daraus resultierende Aufwand sei zu hoch. Auch das Proportionalitätsprinzip, das die Solvency-Anforderungen abhängig vom Risikoprofil der Unternehmen anpassen soll, bringe keine Entlastung. 88 Prozent der Umfrageteilnehmer sind mit ihm unzufrieden.

Auf besonderes Missfallen stoßen die im Rahmen der Richtlinie geforderten Berichtsanforderungen. Über 94 Prozent der Befragten finden den Aufwand für die Berichterstattung zu hoch. Die Vertreter großer und mittlerer Unternehmen sind sogar einhellig dieser Meinung. Im Mai dieses Jahres mussten die Unternehmen erstmalig den von Solvency geforderten SFCR-Bericht vorlegen.

Damit Regulierung zweckmäßig, wirksam und kosteneffizient sei, muss das neue Aufsichtssystem verschlankt werden, fordert GDV-Geschäftsführer Axel Wehling. „Beim Abbau von Bürokratie geht es nicht nur um Verringerung der Kostenbelastung, sondern vielmehr um Konkurrenz- und Innovationsfähigkeit der Versicherer. Bürokratische Vorschriften binden in Unternehmen Ressourcen, welche notwendig sind, um die Herausforderungen der Digitalisierung und Folgen der andauernden Niedrigzinsphase zu bewältigen“, So Wehling.

Um die bürokratischen Hürden abzubauen, die Solvency II geschaffen habe, legt der GDV einen Sechs-Punkte-Plan vor. Der Verband fordert:

  1. Narratives Reporting: die Zusammenlegung inhaltsgleicher Berichte
  2. Quantitatives Meldewesen: die Bereinigung um Berichtspflichten mit geringem Informationswert
  3. Anforderungen an Ausgliederungen: eine stärkere Ausrichtung an der Unternehmenspraxis
  4. Dokumentation: eine Verschlankung der Anforderungen an Governance-Leitlinien
  5. Anwendung von Vereinfachungen: geringere Anforderungen an den Nachweis von Angemessenheitsgrenzen
  6. Wesentlichkeit: verbindliche Kriterien zur Abgrenzung nicht relevanter Inhalte

Die Befragung fand im Mai und Juni 2017 statt. Insgesamt 70 Versicherungsunternehmen aller Größen, Strukturen und Rechtsformen nahmen an ihr teil.