Glows Gedanken: Tauschgeschäft im ETF

Detlef Glow ist Leiter der<br>Lipper-Fondsanalyse

Detlef Glow ist Leiter der
Lipper-Fondsanalyse

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Kaum eine Frage bewegt in der ETF-Branche die Gemüter mehr, als die Frage nach der besten Art der Indexreplikation. Insbesondere wird der Einsatz von Derivaten (Index-Swaps) zum Teil heftig diskutiert. Das ist allein deshalb verwunderlich, weil Derivate wie Swaps oder spezielle Zertifikate in „normalen“ Investmentfonds ohne große Beachtung durch die Öffentlichkeit schon seit Jahren zum Einsatz kommen.

Somit scheint die Debatte innerhalb der ETF-Branche von einzelnen Interessengruppen gesteuert zu sein. Ebenso ist es sehr verwunderlich, dass bei dieser Diskussion nicht auf andere Derivate (Zertifikate), die zum Beispiel bei voll replizierenden Fonds zur Dividendenoptimierung eingesetzt werden, eingegangen wird. Um hier ein wenig mehr Licht in das Dunkel zu bringen, beleuchte ich den Mythos Swap im Folgenden näher.

Was genau ist ein Swap?

Ein Swap, bei ETFs ein Index-Swap, ist ein Tauschgeschäft zwischen zwei Vertragspartnern bei dem in der Finanzwelt der Austausch (engl. Swap) von Zahlungsströmen vereinbart wird. Im Falle der ETFs tauscht der Fonds (das Sondervermögen) mit dem jeweiligen Kontrahenten die Entwicklung der im Fonds enthaltenen Wertpapiere (Aktien oder Anleihen) gegen die Entwicklung des gewünschten Index.

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Der Swap-Kontrahent ist dabei in der Regel eine mit dem ETF-Anbieter verbundene Bank (db x-trackers/Deutsche Bank, Comstage/Commerzbank, etc.). Sie ist verpflichtet, die Performance des Index durch tägliche Preisveränderung des Swap-Kontraktes bereitzustellen.

Wie groß ist das Risiko für den Käufer eines Swap basierten ETFs?

Das Risiko liegt darin, das der Swap-Kontrahent seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Die ETF Branche ist jedoch bemüht, den Investoren zu erklären, dass dieses Risiko nur minimal ist, da die meisten Anbieter die 10-Prozent-Grenze nicht ausnutzen. Doch genau mit dieser Aussage wurde der Irrglaube geschaffen, dass ETFs maximal 10 Prozent Swaps enthalten dürfen. Zusätzlich ist zu beachten, dass die Kreditwürdigkeit auf Basis der sogenannten Bonitätsratings (S&P, Moody’s, etc.) der einzelnen Swap-Kontrahenten durchaus sehr unterschiedlich bewertet wird und jeder Swap-Kontrahent somit ein unterschiedliches Risikoprofil hat.

Schaut man in das Investmentgesetz, so ist dort das Swap-Risiko pro Kontrahent auf zehn Prozent begrenzt. Hinzu kommt das eventuell gestellte Sicherheiten (Collateral) von dieser Quote abgezogen werden können (§ 22 DerivateV) wodurch die Swap-Quote pro Kontrahent auch über zehn Prozent steigen kann. Somit könnte ein ETF durch Swap Vereinbarungen mit verschiedenen Kontrahenten und/oder einer entsprechenden Besicherung sogar zu 100 Prozent aus Swaps bestehen.

Hierbei ist zu beachten, dass einige Anbieter, obwohl sie die Obergrenze von 10 Prozent je Kontrahent nicht ausnutzen, die in ihren Fonds enthaltenen Swaps mit hochliquiden Papieren von guten oder sehr guten Emittenten besichern lassen, um so das Ausfallrisiko für die Anleger so gering wie möglich zu halten. Ob diese Praxis, aufgrund der damit verbundenen Kosten, auch nach der Rückkehr zu einem normalen Marktumfeld weiter angewandt wird, bleibt abzuwarten.