Gold: „Eine mehrwöchige Konsolidierung ist nicht auszuschließen“

Quelle: Fotolia

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Vor acht Monaten habe ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Euro-Anleger in diesem Jahr an Gold ihre Freude haben dürften. Seither ist das Edelmetall von rund 1.000 Euro pro Feinunze auf über 1.300 Euro gestiegen. Nach diesem sehr kräftigen Wertzuwachs ist eine mehrwöchige Konsolidierung nicht auszuschließen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin für Gold sehr positiv gestimmt. Schließlich gibt es viele gute Gründe, die aus fundamentaler Sicht für das Edelmetall sprechen. So pumpen die Notenbanken viel Liquidität in das Finanzsystem, die Bonität von Anleihen westlicher Staaten sinkt teils rapide, die Banken erleiden einen massiven Vertrauensverlust, die Anlagezinsen sind im Keller. Immer mehr fungiert das Edelmetall als Währungsersatz – so treten einige Notenbanken auf der Käuferseite auf, um ein Gegengewicht gegen die Entwertung ihrer Dollarreserven aufzubauen.

Langfristig steht die Gold-Ampel auf Grün

Aus technischer Sicht steht die Gold-Ampel langfristig ebenfalls auf Grün. Der Aufwärtstrend, der im Jahr 2000 begann, ist völlig intakt, und Gold bewegt sich deutlich über den als relevant erachteten 200- und 50-Tages-Durchschnitten. Gemessen in der üblichen Handelswährung US-Dollar, ist der Preis seit Herbst 2008 von 681 Dollar auf bis zu 1912 Dollar geklettert, was einem Anstieg von 180 Prozent entspricht. Die kurze, heftige Korrektur, die den Preis jüngst innerhalb von nur drei Tagen von 1900 auf 1700 Dollar stürzen ließ, zeigt aber, dass auch beim Gold „die Bäume nicht in den Himmel wachsen“.

Preis erreicht potenzielle Hürde

Welche Indizien sprechen in diesem bullischen Umfeld für eine kurzfristige Konsolidierung? Zum einen ist es unwahrscheinlich, dass schon wenige Tage mit fallenden Kursen genügen, um einen so heftigen mehrmonatigen Anstieg „abzuarbeiten“. Zum anderen verläuft bei 1900 Dollar die Aufwärtstrend-Linie, mit Hilfe derer sich die Hochpunkte der Jahre 2003, 2006 und 2008 verbinden lassen – etliche Marktteilnehmer achten auf solche eventuellen Hürden und verkaufen in deren Nähe, um ihre Gewinne zu sichern.

Auch fundamental gibt es leichten Gegenwind. So hat die US-Terminbörse den Betrag, der für den Handel mit Goldprodukten als Sicherheit hinterlegt werden muss, zwei Mal erhöht – angeblich um die Spekulation einzudämmen. Ähnliches war bereits bei Silber geschehen, wobei es dort vier Margin-Erhöhungen gab, bis der Silberpreis schließlich von 50 auf 35 Dollar einbrach. Zudem erhöhen die Minen angesichts des hohen Goldpreises ihre Produktion und damit das Angebot. Das ist verständlich, denn die Marge pro Unze wird mit steigendem Goldpreis immer ansehnlicher.

Jetzt noch (zu)kaufen?


Anleger, die sich mit physischem Gold gegen Risiken wie Inflation oder Schuldenkrise absichern, sollten bereits vorhandene Positionen unabhängig von der kurzfristigen Preisbewegung halten. Schließlich würde niemand eine Feuerversicherung fürs Haus als sinnlos abtun, nur weil es (noch) nicht (richtig) gebrannt hat. Ob Zukäufe zu bereits vorhandenen Positionen auf dem aktuellen Niveau ideal sind, ist jedoch fraglich.