Großer Vermögensverwalter-Roundtable 6 Geldverwalter über Niedrigzinsen, Anlagechancen 2015 und Risikomanagement

Christian Funke, Source for Alpha; Matthias Habbel, Habbel, Pohlig & Partner; Patrick Hussy, Sentix Asset Management; Friedhelm Roos, Anoba Capital; Marco Hermann, Fiduka-Depotverwaltung; Stefan Riße, HPM Hanseatische Portfoliomanagement Hamburg (von links) Foto: Manfred Kötter

Christian Funke, Source for Alpha; Matthias Habbel, Habbel, Pohlig & Partner; Patrick Hussy, Sentix Asset Management; Friedhelm Roos, Anoba Capital; Marco Hermann, Fiduka-Depotverwaltung; Stefan Riße, HPM Hanseatische Portfoliomanagement Hamburg (von links) Foto: Manfred Kötter

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DAS INVESTMENT.com: Dauerbrenner in den Diskussionen über die richtige Anlagestrategie ist das Niedrigzinsumfeld. Wollen Ihre Kunden derzeit eher über Sicherheits- oder Ertragsstrategien sprechen?

Matthias Habbel, Habbel, Pohlig & Partner: Für unsere Kunden spielt das Thema Ertrag momentan eine untergeordnete Rolle, es geht ihnen primär um Sicherheit. Insofern ist es zunächst sinnvoll zu definieren, was wir gegenwärtig noch unter Sicherheit verstehen wollen. Denn es gibt heute Anlagen ohne Ertrag, die trotzdem nicht sicher sind. Und Bundesanleihen bringen nach Inflation nur noch Negativzinsen ein. Angesichts dessen versuchen wir dem Kunden die passende Diversifikation und Asset Allocation näherzubringen. Und wir raten zu Aktien als Ertragsbringern. Je nach Risikoeinschätzung kann bei dem einen ein 25-prozentiger Anteil im Portfolio sinnvoll sein, bei dem anderen 40 oder 50 Prozent. 100 Prozent sind selten angebracht.

Doch orientieren sich die deutschen Anleger stark in der Heimat. Blickt man auf die Marktdaten, stehen vor allem die USA wieder vergleichsweise gut da. Das spiegelt sich in vielen Portfolios nicht wider.

Christian Funke, Source for Alpha: Dabei dürfte eine Rolle spielen, dass europäische und US-Werte sich bis zur Finanzkrise 2008 weitgehend im Gleichschritt bewegt haben. Beide Märkte dienten Anlegern in Krisenzeiten als sichere Häfen. Angesichts der unterschiedlichen makroökonomischen Entwicklungen haben beide Märkte sich jedoch zunehmend entkoppelt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Situation auf absehbare Zeit Bestand haben wird. Daher dürfte der risikoreduzierende Charakter des US-Aktienmarkts für europäische Anleger noch mehrere Jahre Bestand haben.

Wie beurteilt das Szenario der Behavioral-Finance-Stratege?


Patrick Hussy, sentix: Jedes Land und jedes Anlagethema durchlebt einen eigenen Stimmungszyklus. Was immer gilt: Märkte werden von Anlegern entdeckt und reifen heran, um irgendwann glorifiziert zu werden. Dann folgt die Korrektur. Für uns stellt sich die Frage: Sind wir noch in der Entdeckungsphase des US-Aktienmarkts oder kommt die Glorifizierung erst noch? Wir erwarten für 2015 eine Verehrung des Aktienmarkts USA. Auch zum Dollar ist in den zurückliegenden Monaten schon eine starke Anleger-Affinität zu beobachten. Die US-Börsen haben einen großen Vorteil: Immer dann, wenn es an den Weltbörsen auf Talfahrt geht, holen die US-Anleger ihr Geld nach Hause. Das stabilisiert den US-Aktienmarkt mehr als beispielsweise den europäischen oder deutschen.

Stefan Riße, HPM: Die Amerikaner erwiesen sich in der Krise als zupackend und haben sofort ihr Bankensystem revitalisiert. Anders als etwa die Japaner: Diese haben über 10, 20 Jahre Zombie-Banken mit Altlasten mit sich herumgeschleppt. Und wenn Sie sich die Bank of Japan nehmen, hat diese zwar mal Anleihen gekauft, aber nur in so geringem Ausmaß, dass die Bilanzsumme wenig gestiegen ist. Jetzt wird die Geldbasis in Japan innerhalb von kürzester Zeit verdoppelt. Und wenn man die Anleihekäufe ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzt, ist das aggressiver als das, was die Amerikaner zu irgendeinem Zeitpunkt gemacht haben. Die USA machen Reformen in der Regel effizienter.

Heißt das also, dass man immer eine Portion US-Titel halten sollte?


Friedhelm Roos, Anoba Capital: Für uns sind solche Vorgaben nicht entscheidend. Wir untersuchen permanent die nationalen und internationalen Märkte und managen unseren Fonds nach einer festgelegten Systematik. Alle Aktien werden nach einer eigens dazu entwickelten Methode klassifiziert. In welche Aktien wir dann investieren, entscheidet unser Regelwerk. Ein über viele Jahre entwickeltes mathematisches Berechnungssystem hilft uns dabei, ein zu erwartendes Mindestziel zu ermitteln.

Ergibt sich ein akzeptables Chance-Risiko-Verhältnis, investieren wir. Was dazugehört: Wir sind bei den Quoten der Assets im Portfolio flexibel. So gilt für uns nicht, dass wir standardmäßig zum Beispiel 50 Prozent im amerikanischen Markt, zu 30 Prozent im europäischen und vielleicht zu 10 Prozent im deutschen Markt investiert sind. Die Gewichtung gibt allein unser Regelwerk vor.

Marco Herrmann, Fiduka: Wir verfolgen einen fundamentalen Ansatz, berücksichtigen allerdings auch Sentiment-Aspekte – etwa die Tatsache, wie weit der Markt eine Idee schon umgesetzt hat. Es ist nicht verwunderlich, dass der amerikanische Markt langfristig besser läuft als der europäische, weil das US-Wirtschaftswachstum generell höher ist.

Die USA verfügen über einen großen homogenen Binnenmarkt, deswegen sind die Margen höher. Das führt dazu, dass der US-Markt langfristig die anderen Märkte eher outperformt. Wir sind aber unseres Erachtens an einem spannenden Punkt angekommen: Alle blicken auf den US-Dollar, der gar nicht mehr weiter nachlassen kann, und amerikanische Aktien finden alle toll. Dabei gerät Europa ein wenig aus dem Blick.