Hüfners Wochenkommentar Könnte es sein, dass die Amerikaner nein sagen?

Martin Hüfner ist der Chefvolkswirt vom Assenagon Asset Management (Foto: Assenagon)

Martin Hüfner ist der Chefvolkswirt vom Assenagon Asset Management (Foto: Assenagon)

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Der US-Dollar hat sich in den letzten Wochen kräftig aufgewertet. Das ist für die Europäer ein Geschenk Gottes. Es stärkt die Exporte und hilft damit der Konjunktur. Es bringt über höhere Einfuhrpreise die Inflationsrate aus dem Gefahrenbereich der Deflation.

Aus europäischer Sicht könnte das so weitergehen. Tatsächlich gibt es auch Prognosen, die den Dollar in Richtung 1,20, später auch in Richtung auf Parität gehen sehen (zum Beispiel von Goldman Sachs).

Aber was sagt die amerikanische Regierung dazu? An den Devisenmärkten hört man immer wieder Stimmen, sie könnte gegen diese Wechselkursbewegung Einspruch erheben, weil dadurch Arbeitsplätze in den USA in Gefahr gerieten. Wenn es dazu kommen sollte, dann könnte die Rallye des Dollars bald zu Ende sein. Müssen wir uns darauf einstellen?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ich glaube nicht, dass die Vereinigten Staaten sich gegen die Höherbewertung ihrer Währung wehren werden. Jedenfalls nicht, solange sich die Entwicklung in der gegenwärtigen Größenordnung bewegt. Hier ein paar Gründe.

Erstens ist der Euro auch bei den gegenwärtigen Kursen noch relativ hoch bewertet. In den letzten vier Jahren war der Dollar schon zwei Mal bis auf 1,22 zurückgefallen, ohne dass die Amerikaner protestiert hätten.


Quelle: Bundesbank, eigene Berechnung

Die Grafik zeigt, dass sich der Wechselkurs des Euros nach wie vor in dem Band bewegt, in dem er sich seit der Finanzkrise 2008 befindet. Die Kaufkraftparität des Euros gegenüber dem US-Dollar liegt derzeit nach den Schätzungen der OECD mit 1,11 Dollar je Euro immer noch deutlich unter dem aktuellen Wechselkurs.

Zweitens: Die Abwertung des Euros ist Ergebnis der Marktkräfte, nicht Folge einer bewussten Wechselkurspolitik. Es gibt zwar ein paar Stimmen, die für einen schwächeren Euro plädieren (zum Beispiel der französische Notenbankpräsident Noyer). Es gibt aber genauso viele, die dagegen sind (zum Beispiel die früheren EZB-Chefvolkswirte Issing und Stark).

Die Marktkräfte sind so stark und eindeutig wie selten. In den USA ist das Wirtschaftswachstum wesentlich größer als in Europa. Die amerikanischen Zinsen sind höher. Sie werden im kommenden Jahr steigen, in Europa eher sinken.