Hüfners Wochenkommentar „Zusammenhang zwischen Ölpreis und Inflation wird überschätzt“

Der Anstieg der Ölpreise in den letzten Tagen hat Hoffnungen geweckt. Viele erwarten, dass jetzt auch die Inflationsrate nach oben gehen wird. Das würde zur Normalisierung beitragen, nicht nur beim Geldwert, sondern auch an den Kapitalmärkten.

Ich habe mir das etwas genauer angeschaut. Das Ergebnis: So eng, wie das immer angenommen wird, ist der Zusammenhang zwischen Ölpreis und Inflation nicht. Ich möchte daher hier ein bisschen Wasser in den Wein der allgemeinen Erwartungen gießen. Hier die Gründe: 

Als erstes sind die Erfahrungen der letzten Monate zu nen­nen. Seit Jahresanfang ist der Ölpreis um etwa 50 Prozent gestiegen (von 37 auf 55 US-Dollar je Barrel). Die allgemeine Geldentwertung im Euroraum hat sich dagegen in dieser Zeit kaum bewegt. Sie ist gerade einmal um Dreizehntelprozentpunkte gestiegen, von 0,3 auf 0,6 Prozent.

Ölpreis und Inflation

Daten von Januar 1997 bis Dezember 2016


Grafik: Assenagon Asset Management

Auch längerfristig ist der Zusammenhang zwischen Ölpreis und Inflation nicht so hoch. Die Grafik zeigt die Entwicklung der letzten 20 Jahre. Schon mit bloßem Auge erkennt man, dass die Korrelation zwischen den beiden Zeitreihen nicht allzu groß ist.

Statistisch beträgt sie gerade einmal 0,21. Viel kleiner kann ein Zusammenhang nicht sein (bei null gibt es keinen Zusammenhang, bei eins ist der Zusammenhang perfekt).