Immobilienmarkt München: Servus und grüß Geld!

Münchens Innenstadt, Quelle: Gettyimages

Münchens Innenstadt, Quelle: Gettyimages

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Mit Klunkern und Pelzen behängt, ein Fuhrpark diverser Edelkarossen, eine stattliche Villa im feinen Stadtteil Bogenhausen. Ungefähr so sieht das Klischee der Schickeria von München aus, das Regisseur Helmut Dietl in den 80er Jahren mit der Serie „Kir Royal“ auf die Schippe nahm. Ob wie beschrieben oder ohne Pelze, dafür mit altem VW Passat vor dem Mietshaus im eher tristen Neuperlach: Selbst wer in München bescheiden wohnt, lebt teuer.

So ergab eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, dass die Lebenshaltungskosten in München um 14,4 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen. Das liegt vor allem an den hohen Mieten, die den größten Anteil am zugrundeliegenden Warenkorb haben. Doch selbst ohne diesen Kostenblock liegt München nur knapp hinter Frankfurt und Düsseldorf.

Insgesamt gehen für Nettokaltmieten im Schnitt rund 17,6 Prozent des Einkommens drauf, während etwa in Hamburg 12,1 Prozent reichen, so das Ergebnis einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung.

In Zahlen ausgedrückt: Während etwa in Köln für Wohnungen von 60 bis 80 Quadratmeter ab Baujahr 2000 im Schnitt 9,73 Euro je Quadratmeter gezahlt werden, kassieren Vermieter in München durchschnittlich 12,48 Euro, wie Statistiken des Empirica-Instituts zeigen. Wer eine solche Wohnung kaufen will, muss ebenfalls tief in die Tasche greifen: Durchschnittlich 3.705 Euro werden für den genannten Wohnungstyp ausgerufen, fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt.

Kaufkraft treibt Kaufpreise

„Die sehr hohen Kaufpreise sind im Wesentlichen ein Ausdruck der wirtschaftlichen Kraft der Region München“, erklärt Tobias Just, Leiter Immobilien bei DB Research: „Die Einkommen sind deutlich überdurchschnittlich, die Arbeitslosenquote ist gering. Hinzu kommt, dass es traditionelle Quartiere wie Schwabing oder Bogenhausen gibt, die bereits sehr lange beliebt und damit teuer sind.“

Ähnlich urteilt Roman Heidrich, Leiter Wohnimmobilien-Bewertung beim Maklerhaus Jones Lang Lasalle: „München zeichnet sich durch einen vielfältigen Branchenmix mit vielen europa- und weltweit agierenden Unternehmen, zum Beispiel Siemens, aus. Das zieht Fachkräfte und damit eine kaufkraftstarke Kauf- und Mieterklientel an.“

Hinzu komme die sehr geringe Neubautätigkeit: „Das städtische Wohnungsbauprogramm München IV sieht pro Jahr 7.000 neue Wohnungen vor, gebaut wurden bisher aber stets weniger. 2009 waren es beispielsweise nur 4.390 Wohneinheiten“, so Heidrich.

„Zu diesen Projekten gehört unter anderem die Parkstadt Schwabing, ein ehemaliges Industrieareal, auf dem in den vergangenen zehn Jahren rund 1.000 Wohnungen gebaut wurden und weitere 257 im Bau beziehungsweise geplant sind“, sagt Katja Meqdam vom Münchner Büro des Analyse-Instituts Bulwien Gesa.

Aktuell wird etwa in der zentral gelegenen Maxvorstadt das Projekt NY Living mit 252 Wohneinheiten gebaut. Die Fertigstellung ist für das vierte Quartal kommenden Jahres vorgesehen. Zu den Anbietern neuer Projekte gehört auch der Münchner Entwickler JK Wohnbau, der seit dem 10. November 2010 börsennotiert ist (WKN: A1E8H3). Aufgrund der hohen Preise sind Anbieter geschlossener Fonds in München derzeit weniger aktiv als etwa in Hamburg oder Berlin, wo Anleger über einige Fonds wie den HCI Wohnkonzept Hamburg investieren können.