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01.07.2010 11:13
Rubrik: Märkte

Deka-Volkswirt Ulrich Kater: "Goldanlagen können zur gefährlichen Falle werden"

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank

Wegen Inflation macht sich Ulrich Kater keine großen Sorgen. Eine andere Gefahr liegt näher. Lesen Sie hier, welche das ist, und was der Chefvolkswirt der Deka-Bank zu den staatlichen Sparmaßnahmen und Goldinvestments sagt.

DAS INVESTMENT.com: Kommt die Inflation zurück?

Ulrich Kater: Jeder fürchtet sich vor Inflation. Das sind Reflexe aus der Vergangenheit, als noch hohe Staatsschulden zur Inflation führten. Anders als früher haben die Staaten aber gegenwärtig die Notenpresse nicht in der Hand. Die Notenbanken sind zwar auch beeinflussbar. Gegenwärtig ist aber nicht zu erkennen, dass sie ihren Kurs niedriger Inflationsziele aufgeben würden.

In den kommenden zwei Jahren ist wegen Unterauslastung in Europa und den USA sowieso keine Inflation zu erwarten. Im Gegenteil: Deflationsgefahren sind nicht vom Tisch. Nach 2013 könnte die Inflation frühestens wieder ansteigen, aber selbst im schlechtesten Fall rechnen wir nur mit Raten bis zu etwa 5 Prozent.

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DAS INVESTMENT.com: Panische Anleger flüchten in Gold. Machen diese Menschen einen Fehler?

Kater: Das Problem mit Gold als Anlage ist folgendes: Sie ist nur sinnvoll, wenn die Inflationsraten kräftig über 10 Prozent steigen und danach außer Kontrolle geraten. Dann wäre man mit Gold fein raus. Geschieht das aber nicht, kann die Goldanlage zur gefährlichen Falle werden, denn der Goldpreis kann schnell fallen – und mit ihm der Wert des Vermögens.

Die Anlage in Gold ist eine sehr einseitige, wie etwa die Anlage in eine einzige Aktie. Solche einseitige Anlagen in stark schwankende Vermögensgegenstände nennt man in der Finanzmarktsprache riskant. Eigentlich wollen viele Goldanleger ihr Vermögen schützen, wissen aber nicht, dass sie sich in Wirklichkeit in eine sehr riskante Vermögensaufstellung begeben.

DAS INVESTMENT.com: Häufig wird davon geredet, dass drastische Sparmaßnahmen die Konjunktur abwürgen könnten. Werden die Staaten ihre Sparprogramme wirklich durchziehen können? Kann die Wirtschaft überhaupt überleben, ohne dass der Staat stimuliert oder wenn er sogar Gewinne schreibt?

Kater: Die konjunkturelle Entwicklung hatte immer ihre Sollbruchstelle im Jahr 2011: wenn die Konjunkturprogramme diesseits und jenseits des Atlantiks langsam auslaufen. Nun wird auch noch zusätzlich gespart. Das belastet die wirtschaftliche Erholung. Allerdings kann sie diese Belastungen verkraften: Sie sind in Deutschland etwa über vier Jahre gestreckt und beginnen erst langsam im kommenden Jahr.

DAS INVESTMENT.com: Zu Europa: Wie lassen sich fiskalpolitisch und wirtschaftspolitisch so unterschiedliche Volkswirtschaften unter einen Hut bringen? Was wäre der erste richtige Schritt?

Kater: Es war immer die größte Schwachstelle des Euro, dass die Volkswirtschaften so unterschiedlich sind. Jetzt muss ausbalanciert werden: Wie viel Unterstützung können die starken Länder den schwachen bieten, wie viel Eigenleistung muss sein, wie viele Unterschiede müssen bleiben. Der neue Euro-Mechanismus ‚Kredite gegen Auflagen’ ist der Versuch, eine solche Balance herzustellen.

DAS INVESTMENT.com: Welche sind Ihre wichtigsten Indikatoren, und was sagen sie Ihnen derzeit?

Kater: Die wichtigsten Indikatoren sind gegenwärtig die Frühindikatoren für das Wachstum – und zwar nicht nur in den europäischen, sondern in allen großen Volkswirtschaften der Welt, von Brasilien über China bis zu den USA. Sie entscheiden über die weitere Bewältigung der Schuldenkrise und damit über den Fortgang von Zinsen und Aktien.

Von: Andreas Scholz

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