Kames Capital-Manager James Lynch „Anleger haben am Anleihemarkt aktuell zwei Alpha-Chancen“

James Lynch, Co-Manager des Kames Absolute Return Bond Constrained Fund

James Lynch, Co-Manager des Kames Absolute Return Bond Constrained Fund

Im Moment gibt es an den Anleihemärkten zwei besonders attraktive Anlagechancen. Festzinsanleger in Europa können die unterschiedlichen Aussichten für Frankreich und Italien ausschöpfen. In den USA ergibt sich angesichts des potenziellen Anstiegs der Inflation die Möglichkeit, den Fokus auf inflationsgeschützte US-Schatzanleihen zu richten.

1. Anlagechance: Italien auf „short“, Frankreich auf „long“

Der italienische Finanzmarkt steht nach unserer Einschätzung kurz- und langfristig vor großen Schwierigkeiten. Die Fundamentaldaten scheinen sich dort auf kurze Sicht einzutrüben. Da das jüngste Verfassungsreferendum von der Bevölkerung abgeschmettert wurde, können dringend benötigte Reformen nicht durchgeführt werden. Das wiederum bedeutet, dass Anleger, die dem italienischen Staat Geld leihen, eine höhere Rendite fordern werden und die Verschuldung weiter steigt.

Zudem könnte die Bonität Italiens von den Rating-Agenturen herabgestuft werden. Wenn italienische Anleihen im Finanzsystem als Sicherheit verwendet werden, müsste der Sicherungsnehmer italienischer Anleihen folglich einen höheren Abschlag anwenden.

Ganz anders stellt sich die Situation unserer Ansicht nach in Frankreich dar. Die politischen Probleme, mit denen die Finanzmärkte dort zu kämpfen haben, werden künftig entweder gravierend sein oder verschwinden. Abhängig ist die Entwicklung von der anstehenden Präsidentschaftswahl im April. Ein Wahlsieg von Emmanuel Macron der Partei „En Marche“ oder François Fillon der Partei „Les Républicains“ wird im Ausland als Fortsetzung des Status quo ausgelegt. Mögliche Reformen der Präsidentschaftskandidaten würden sich zumindest gegenüber anderen europäischen Anleihemärkten vorteilhaft auf französische Anleihen auswirken.

Ein Sieg von Marine Le Pen und der rechten Partei „Front National“ ist hingegen auf jeder Ebene ein großes Risiko für Frankreich, angefangen von der Einwanderungs- und Verteidigungs- bis hin zur Außen- und Wirtschaftspolitik. Die Finanzmärkte beschäftigt am meisten Le Pens Wille, in Frankreich den Euro abzuschaffen. Sollte dieses Szenario eintreten, könnten die durch das Brexit-Votum kürzlich verursachten Turbulenzen dagegen völlig harmlos erscheinen. Außerdem könnte es die Angst der Anleger vor einem vollständigen Zusammenbruch der Europäischen Union (EU) schüren.

Sollte der Markt eine höhere Wahrscheinlichkeit eines derartigen Ausgangs einpreisen, dürfte dies für Italien aufgrund der aktuellen Schwäche weitaus schlimmer sein als für Frankreich. Die Schuldendynamik in Italien ist weitaus schlechter als in Frankreich. Im Falle eines Zusammenbruchs der EU würde der Markt nach den schwächsten Gliedern im System suchen, also den Peripheriestaaten und damit auch Italien.

Unabhängig davon, welches Szenario eintritt, halten wir bei Kames Capital es für wahrscheinlicher, dass Frankreich Italien im Anleihesegment übertrifft. Im Mittelpunkt stehen für uns dort zehnjährige Anleihen.

2. Anlagechance: Inflationsindexierte Anleihen des US-Schatzamtes (TIPS) auf „Long“

Inflationsindexierte Anleihen des US-Schatzamtes (TIPS) sind direkt an das Ausmaß des Inflationsanstiegs oder -rückgangs in den USA gekoppelt. Je stärker die Inflation steigt, desto wertvoller werden TIPS für Anleger. Bei nominalen US-Schatzanleihen ist der Ertrag demgegenüber fest und kann von der Inflation aufgezehrt werden. Das Problem sind hier also Inflation und Wachstum. Wir bei Kames Capital erwarten, dass die Inflationsrate in den USA in den nächsten Monaten steigen wird. Ein Plus von 2,5 Prozent scheint plausibel.

Daher haben wir kürzlich eine fünfjährige inflationsgeschützte Anleihe Long gegenüber fünfjährigen US-Treasuries Short bei einem Breakeven von 1,98 Prozent gekauft. Wenn die Inflation über fünf Jahre exakt 1,98 Prozent beträgt, erreichen wir den Breakeven. Wenn der Markt jedoch zu einem bestimmten Zeitpunkt höhere Inflationserwartungen einpreist, können wir auf der Basis von diesem Spread Geld verdienen.

Selbst wenn man die volatilsten Inflationselemente in den USA ignoriert und sich nur auf die Kernzahlen konzentriert, ergibt sich eine Inflationsrate von 2,2 Prozent. Diese Zahl liegt über der aktuellen Breakeven-Rate von fünfjährigen Anleihen. Zudem könnte sich herausstellen, dass US-Präsident Donald Trump die Inflation zusätzlich anheizt, wenn er die Infrastrukturausgaben erhöht oder Importzölle einführt. Am Markt sind diese Risiken bislang nicht eingepreist. Daher könnten die Inflationserwartungen noch stärker steigen.