Konsolidierung bei deutschen Kreditinstituten Warum es immer weniger Bankfilialen gibt

Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt: Die Statistiker der Bundesbank beobachten eine Konsolidierungswelle bei deutschen Kreditinstituten. | © Deutsche Bundesbank / Walter Vorjohann

Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt: Die Statistiker der Bundesbank beobachten eine Konsolidierungswelle bei deutschen Kreditinstituten. Foto: Deutsche Bundesbank / Walter Vorjohann

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Joachim Wuermeling, Deutsche Bundesbank

Die Gesamtzahl aller Kreditinstitute hierzulande ist im vorigen Jahr um 65 auf 1.823 gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 3,4 Prozent gegenüber minus 3,7 Prozent im Jahr 2016, berichtet die Deutsche Bundesbank in ihrer aktuell erschienen Bankstellenstatistik 2017. Demnach verzeichneten die Statistiker der Bundesbank 2017 insgesamt 19 Zugänge sowie 84 Abgänge.

Von den Abgängen waren allein 57, und damit fünf mehr als im Vorjahr, auf Fusionen im genossenschaftlichen Sektor zurückzuführen. Die Zahl der Institute des Genossenschaftsbereichs sank damit auf 919, was einen signifikanten Rückgang um 5,8 Prozent darstellte. Im Sparkassensektor verschmolzen 13 Sparkassen sowie eine Landesbank mit jeweils einem anderen Institut derselben Bankengruppe.

Fusionsfieber im genossenschaftlichen Sektor

Das waren drei Fusionen mehr als 2016, sodass 390 Sparkassen und acht Landesbanken am deutschen Markt verblieben sind. Genauso hoch ist die Zahl der Kreditbanken, die 2017 um neun gestiegen ist. Dabei entfielen drei Zugänge sowie sechs Abgänge auf die „Regional- und Wertpapierhandelsbanken und sonstigen Kreditbanken“. Ende 2017 gehörten 186 Institute dieser Untergruppe an. 

„Das herausfordernde Wettbewerbsumfeld und insbesondere das anhaltend niedrige Zinsniveau machen den Instituten zu schaffen und veranlassen sie zu deutlichen Kosteneinsparungen“, kommentiert Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling die Entwicklung. „Insbesondere für kleinere und mittlere Banken ist deshalb der Druck zum Zusammenschluss zu größeren Einheiten gestiegen.“

Zahl inländischer Zweigstellen sinkt kräftig

Die Zahl der inländischen Zweigstellen verringerte sich nach einem Abbau von 2.019 Zweigstellen 2016 im vergangenen Jahr um weitere 1.900 beziehungsweise 5,9 Prozent auf 30.126. Diese Größe umfasst klassische Filialen sowie Selbstbedienungs-Terminals mit Beratungsmöglichkeit. Reine Selbstbedienungs-Terminals sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

„Der Rückgang der Zweigstellen ist nicht nur eine Konsequenz des Kostendrucks, sondern spiegelt auch den Trend zur Digitalisierung und vermehrter Nutzung von Online-Banking“, kommentiert Wuermeling. Per Saldo sank demnach die Zahl der Filialen in nahezu allen Sektoren des Kreditgewerbes - außer bei Realkreditinstituten sowie Zweigstellen ausländischer Banken und Wertpapierhandelsbanken, deren Zahl sich 2017 bei 16 Zugängen und nur vier Abgängen auf 200 erhöhte.