"Leiht euer Geld nur den starken Schuldnerstaaten"

Stefan Höhne, AmpegaGerling

Stefan Höhne, AmpegaGerling

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Ultralockere Geldpolitik und Niedrigzinsen prägen die Rentenmärkte. Wie lange lässt sich dieser Zustand noch beibehalten? Wann könnte die Inflation anziehen und mit ihr die Anleiherenditen?

Stefan Höhne: Wir gehen davon aus, dass der aktuelle Zustand bis auf Weiteres anhalten wird. Zwar könnte die dauerhafte Zentralbankunterstützung zu Vermögenspreisblasen führen. Inflationsgefahren für Europa sehen wir derzeit jedoch nicht. Auch in diesem Jahr sollte die Teuerungsrate bei durchschnittlich zwei Prozent liegen.

Allerdings sollte man wachsam bleiben. Langfristig besteht durchaus die Gefahr, dass die Inflation leicht steigen wird. Aktuelle Zahlen belegen, dass bereits ein niedriges Inflationsniveau ausreicht, um den Sparern einen realen Wertverlust zu bescheren. Die finanzielle Repression lässt grüßen!

Einige Beobachter befürchteten zuletzt einen Abwertungswettlauf. Wie realistisch ist dieses Szenario? Welche künftigen Währungs- und Zinstrends sehen Sie im Gefüge zwischen Dollar, Yen und Euro?

Höhne: Durch die expansive Ausrichtung der Zentralbank in Japan rückte das Thema natürlich wieder auf die Tagesordnung. Andere Staaten haben sich ausdrücklich von dieser Vorgehensweise distanziert. Letztendlich lässt sich eine Abwertungsintention bestimmter Länder nicht seriös belegen.

Auf der Zinsseite sehen wir für die USA oder Europa keine Zinsschritte in den nächsten sechs Monaten. Die Renditen in Europa sollten sich erst wieder nachhaltig bewegen, wenn sich die wirtschaftliche Lage, insbesondere in den südlichen Ländern, weiter stabilisiert hat. Unser Währungsmodell, welches auf Kaufkraftparitäten und Trendfolgeannahmen basiert, zeigt uns seit aktuell eine Euro-Stärke  gegenüber dem US-Dollar an.

Ihr Gerling Global Rentenfonds mit der ISIN DE0008481086 orientiert sich bei der Portfoliogewichtung am Bruttoinlandsprodukt der einzelnen Staaten. Welcher Grundgedanke steckt dahinter?

Höhne: Die Grundidee resultiert aus der Allokationsproblematik der bekannten internationalen klassischen Rentenindizes. Üblicherweise werden dort die Schuldner, welche die größten Anleihesummen ausstehen haben, auch am höchsten gewichtet. Ein bewertungsorientierter Ansatz führt also dazu, dass gerade diese Papiere entsprechend stark in Rentenfonds vertreten sind.

Demgegenüber basiert der Gerling Global Rentenfonds seit 2010 bereits auf einem bewertungsunabhängigen Anlagekonzept. Bei der Allokation wird der fundamentale Fokus auf die Fähigkeit und den Willen von Staaten gelegt, ihre Schulden zu bedienen. Der Fokus liegt somit auf Ländern mit zukünftig höherer Wirtschaftskraft, ohne jedoch wichtige globale Anleihemärkte in den USA oder Europa völlig aufzugeben.

Dieses Konzept wenden wir bereits, als einer der ersten Anbieter, seit Oktober 2010 an. Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem innovativen Rentenkonzept klassische internationale Rentenindizes über eine Haltedauer von vier bis fünf Jahren übertreffen können. Unser Ansatz „Weg von den hochverschuldeten Staaten“ ist sozusagen eine globale Rentenfondslösung mit einem eingebauten Schulden-Frühwarnsystem.