Mark Mobius beantwortet Leserfragen „Wir bleiben optimistisch“

Neue Kanalisationsrohre in Indien dienen bei Regen als Büro: Sobald sich Schwellenländer und Grenzmärkte für Reformen öffnen, entstehen Grundlagen für höheres Wachstum | © Getty Images

Neue Kanalisationsrohre in Indien dienen bei Regen als Büro: Sobald sich Schwellenländer und Grenzmärkte für Reformen öffnen, entstehen Grundlagen für höheres Wachstum Foto: Getty Images

„Ich möchte nicht naiv erscheinen, aber ist der Populismus ein Zyklus oder eine Phase, die die Gesellschaft durchläuft? Der Kapitalismus hat seine Stärken beispielsweise bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und der effizienten Ressourcenverteilung. Aber im Laufe der Zeit haben die Arbeitnehmer es satt, dass sie trotz ihrer Anstrengungen so wenig erreichen können, und wenden sich Politikern zu, die Populismus betreiben – bis diese Politik scheitert und Reformen nötig sind. Was sagen Sie dazu?“, fragt Walter aus Großbritannien (über LinkedIn).

Mobius: Das klingt keinesfalls naiv, denn das ist ein Problem, vor dem wir alle stehen. Multilaterale Institutionen wie die Weltbank und die International Finance Corporation (IFC), eine internationale Entwicklungsbank, die sich als Teil der Weltbankgruppe auf die Förderung privater Unternehmen spezialisiert hat, und weitere erkannten in den 1970er Jahren, dass ein marktorientiertes System der beste Ansatz für Wirtschaftswachstum und die Bekämpfung von Armut ist. Wie Sie betonen, ist ein marktbasiertes System stark bei der effizienten Ressourcenverteilung. Der Nachteil ist jedoch, dass rasches Wachstum des Wohlstands in der Regel nicht gleichmäßig verteilt ist, mit einer großen Einkommenskluft nicht nur innerhalb eines Landes, sondern weltweit.

Die Antwort von Sozialisten beziehungsweise Kommunisten hierauf besteht darin, von den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben. Dies führt jedoch dazu, dass viele an Mitteln reiche Kapitalisten – die Geber des Kapitals – ihre Bemühungen aufgeben und das jeweilige Land bisweilen sogar verlassen. Im Ergebnis wird dann weniger Wohlstand geschaffen.

Gewiefte Politiker nähren sich an der Wut der Besitzlosen und versuchen sie mit Versprechungen von höheren Löhnen, günstigerem Wohnraum und Essen usw. auf ihre Seite zu ziehen. Dies nennt man Populismus. Wenn allerdings populistische Politiker die Macht erlangt haben, neigen sie leider häufig dazu, sich zu bereichern und das Volksvermögen eines Landes zu verprassen.

Es gibt keine einfache Antwort darauf. Vermutlich ist eine Kombination mehrerer Denkansätze nötig. China versucht sich an dieser Verquickung aus Kapitalismus (wo die Marktkräfte die Verteilung des Kapitals bestimmen) und Sozialismus. Ziel des chinesischen Staates ist es, eine bessere Verteilung der Vorteile für die gesamte Bevölkerung zu gewährleisten. Natürlich ist kein System vollkommen, und es ist kein Geheimnis, dass es in China große Herausforderungen gibt. Das jüngste, aggressive Programm zur Bekämpfung der Korruption in China deutet auf Probleme hin. Dennoch bleiben wir bezüglich der Aussichten für China optimistisch.