Mark Mobius: "Europa muss weiterhin einige Probleme abarbeiten"

Mark Mobius, Franklin Templeton

Mark Mobius, Franklin Templeton

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Wie schätzen Sie das Jahr 2013 ein?

Mark Mobius:
Wir gehen davon aus, dass die Volkswirtschaften der Schwellenländer 2013 und in absehbarer Zukunft nach wie vor schneller wachsen werden als die Industriestaaten. Die Fundamentaldaten der Volkswirtschaften der Schwellenländer werden voraussichtlich ebenfalls robust bleiben. Die Staatsschuldenkrise im Euroraum hat bisher nur eine begrenzte direkte Auswirkung auf die Fundamentaldaten der Volkswirtschaften der Schwellenländer gehabt. Die verhältnismäßig niedrigen Verschuldungsquoten und die höheren Devisenreserven, verglichen mit mehreren Industriestaaten, sind in erster Linie der Grund dafür. Daher sind wir der Auffassung, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der meisten Volkswirtschaften der Schwellenländer, trotz der weltweiten Finanzkrise, robust bleiben.

In Zukunft wird die Abhängigkeit der Schwellenländer von den Volkswirtschaften der Industriestaaten, wie zum Beispiel Europa und den Vereinigten Staaten, zudem abnehmen, denn die Schwellenländer bauen den Handel und die Wirtschaftsbeziehungen untereinander weiter aus. Der Trend zu niedriger Inflation könnte kurzfristig anhalten, wodurch es Regierungen und Zentralbanken möglich ist, ihre Bemühungen zur Wiederbelebung der Wirtschaftstätigkeit fortzusetzen. Eine übermäßige Liquidität am Markt könnte jedoch langfristig zu höherer Inflation führen, weshalb Regierungen und Zentralbanken ihre Geldpolitik neu bewerten müssen.

Wie wird sich die durch die amerikanische Notenbank und andere Zentralbanken bereitgestellte Liquidität künftig auf die Märkte auswirken?

Mark Mobius:
Inzwischen steht fest, dass die US-Notenbank weiter Geld in die Wirtschaft pumpt, wie auch immer sie die jeweiligen Programme bezeichnet (ob QE3, QE4 oder sonstwie). Sie wird ihre Liquiditätsspritzen fortsetzen, bis auf dem Arbeitsmarkt eine Wende einsetzt. Das wird leider nicht die Lösung für die Arbeitslosigkeit sein. Regierungsreformen und eine Aufhebung der kommerziellen Beschränkungen und Einschränkungen, die durch die Regierung auferlegt worden sind, sind die Lösung. Neben der US-Notenbank führen auch Europäische Zentralbank, Bank of Japan und andere dem Finanzsystem Mittel zu.

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Unseres Erachtens ist die Liquidität für die Schwellenmärkte positiv, weil dadurch viel Geld im System ist. Daher rechnen wir mit verstärkten Zuflüssen in die Aktienmärkte – im Allgemeinen und auch in Schwellenländern. Trotz der risikoscheuen Stimmung, die die Finanzmärkte seit Ausbruch der Krise in der Eurozone erfasst hat, strömt nicht nur Geld auf die Aktienmärkte von Schwellenländern, sondern auch auf die neueren und kleineren Grenzmärkte.

Wie haben sich zwischen 2008 und 2012 die Zuflüsse in die Schwellenländer entwickelt? Was erwarten Sie von der zukünftigen Entwicklung?

Mark Mobius:
Seit 2008 betragen die gesamten Mittelzuflüsse in die Schwellenländer über 100 Milliarden US-Dollar (trotz Nettoabgängen 2008 und 2011). Für uns gibt es keinen Grund, warum dies in den nächsten fünf Jahren nicht steigen sollte. Die Fundamentaldaten der Schwellenländer bleiben attraktiv. Darüber hinaus sehen sich Investoren nach Anlagechancen um, die einen besseren Ertrag bieten als niedrige Zinssätze, die derzeit weltweit angeboten werden. Eine Anlage in Schwellenmärkten ist überdies eine Absicherung gegen die Inflation.

Wie beurteilen Sie die Staatsschuldenkrise Europas?

Mark Mobius:
Es gibt weiterhin Probleme die Europa abarbeiten muss. Dabei handelt es sich um einen schwierigen und schmerzvollen Weg und der Anpassungsprozess ist langsam. Frankreich und Deutschland haben wiederholt ihr Engagement bestätigt, dass die Währungsunion intakt bleiben soll. Die Politik hätte im Idealfall zwar deutlich schneller auf die Krise in Europa reagieren können, doch unseres Erachtens wurden wesentliche Fortschritte erzielt. Wir glauben, die Situation sollte sich im Lauf der Zeit verbessern, wenn die Europäer ihre haushaltspolitischen Probleme lösen.

Die Konjunkturerholung Europas wird viel Zeit in Anspruch nehmen, und wir dürfen nicht ungeduldig sein. Sie bewegen sich jedoch auf eine größere Integration und eine erhöhte gegenseitige Abhängigkeit zu. Nach unserer Meinung haben sie zweifelsohne den richtigen Weg eingeschlagen und werden am Ende dieses Prozesses gestärkt hervorgehen.

Glauben Sie, dass die BRIC-Länder künftig die Pioniere der Weltwirtschaft sein werden?

Mark Mobius:
Für uns gibt es keinen Grund, aus dem die BRIC-Länder das Wachstum und die Entwicklung in den Schwellenländern nicht weiterhin unterstützen können. Das weltweite Entwicklungsmuster des nachlassenden Wirtschaftswachstums in der ersten Hälfte von 2012 hat sich zwar auf die BRIC-Staaten ausgewirkt, aber wir sind nicht der Auffassung, dass ihnen eine harte Landung bevorsteht. Es ist wichtig festzustellen, dass diese Volkswirtschaften insgesamt erheblich gewachsen sind, und zwar weitaus schneller als die Industriestaaten. Angesichts solider Wachstumsprojektionen, der verminderten Abhängigkeit von entwickelten Märkten, da der intraregionale Handel zunimmt, der jungen Bevölkerungen und generell niedrigerer Verschuldungsquoten zum BIP als in vielen Industrieländern sind wir fest überzeugt, dass sich die BRIC-Märkte langfristig gut entwickeln sollten.