Medizintechnik-Sektor „2016 steht ganz im Zeichen von Unternehmensübernahmen“

Golden Gate Bridge in San Francisco. In der US-Metropole traf sich im Januar das Who-is-Who des Gesundheitssektors zur JP-Morgan-Healthcare-Konferenz. (Foto: Getty Images)

Golden Gate Bridge in San Francisco. In der US-Metropole traf sich im Januar das Who-is-Who des Gesundheitssektors zur JP-Morgan-Healthcare-Konferenz. (Foto: Getty Images)

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Die alljährliche Pilgerfahrt der Healthcare-Industrie nach San Francisco hat Tradition. Auch dieses Jahr waren alle wichtigen Unternehmensführer bei der JP-Morgan-Healthcare-Konferenz vertreten und standen für Investorengespräche zur Verfügung.

China und US-Präsidentschaftswahlen im Brennpunkt des Interesses

Die Themenschwerpunkte bildeten in diesem Jahr vor allem die Wachstumsabschwächung in China und den aufstrebenden Märkten sowie die US-Präsidentschaftswahlen und damit verbundene Preisrisiken.

Während sich die Nachfrage nach Industriegütern in China merklich abgekühlt hat, ist dies im Gesundheitswesen nicht feststellbar. Für die chinesische Regierung ist der Versorgungsausbau der Bevölkerung mit Gesundheitsdienstleistungen von zentraler strategischer und politischer Bedeutung und – genau wie in den entwickelten Märkten – weitestgehend konjunkturunabhängig. Einhellig negativ waren die Kommentare allerdings zu Brasilien und Venezuela, wo neben ökonomischen Problemen auch ernsthafte politische Unsicherheiten angeführt wurden.

Bescheidenheit ist (wieder) eine Tugend

Während andere Subsektoren durch die Preisängste der Anleger belastet werden, gehört der Medizintechniksektor zu den Gewinnern und hat den Status des „sicheren Hafens“ zugesprochen bekommen.

Reife Medizintechnikprodukte unterliegen seit Jahren einem Preisdruck, der zu jährlichen Preissenkungen von 1-2 Prozent führt. Was für jeden anderen Sektor völlig normal ist, wurde innerhalb der Healthcare-Industrie lange als Schwäche angesehen. Hier sind nämlich halbjährliche Preiserhöhungen von 5 Prozent keine Seltenheit. Seit Hillary Clinton diese Thematik Mitte letzten Jahres zum Wahlkampfthema gemacht hat, ist die Verunsicherung unter den Marktteilnehmern groß und die Unternehmen sind sich bewusst, dass sie unter verstärkter Beobachtung stehen.

Erfolgsvoraussetzung: Unternehmensgröße und Finanzkraft

Die Übernahmeankündigung von Covidien durch Medtronic in 2014 schätzten damals viele Marktteilnehmer als defensive Maßnahme ein. Heute, eineinhalb Jahre später, zeigt sich, dass Unternehmensgröße und Finanzkraft die Grundvoraussetzungen sind, um innerhalb der veränderten Rahmenbedingungen erfolgreich sein zu können.

Die neuen Kostenrückerstattungsmodelle mit fixierter ergebnisorientierter Vergütung über eine definierte Behandlungsperiode setzen eine Partnerschaft zwischen den Leistungserbringern und den Medizintechnikunternehmen voraus. Nur Großunternehmen verfügen über ein breites Produktangebot, können integrale Dienstleistungsangebote über die Grenzen des Krankenhauses hinaus anbieten und die damit einhergehenden Risiken tragen sowie gleichzeitig einen wettbewerbsfähigen Innovationsapparat aufrechterhalten.

Weitere Übernahmen erwartet

Wir erwarten in diesem Jahr weitere große Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen. Stryker hat eine ausbaufähige Plattform mit je einem Standbein in der Orthopädie und im Operationssaal. Auch Baxter, Abbott und Johnson & Johnson (J&J) werden ihr Angebot erweitern, wobei im Fall von Abbott und J&J auch kreative Lösungsansätze nicht ausgeschlossen werden können.

Im Fall von St.Jude besteht strategischer Handlungsbedarf. Die letzten Unternehmensergebnisse deuten darauf hin, dass die kritische Größe fehlt und nicht genügend R&D-Kapazitäten vorhanden sind, um alle wichtigen Entwicklungsprojekte und klinischen Studien gleichzeitig voranzutreiben.

Das aktuelle Aktienmarktumfeld hat die Erwartungen der potenziellen Übernahmeziele etwas gedämpft und in vernünftige Bandbreiten gelenkt, was die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Übernahmeabschlüsse zusätzlich erhöhen sollte.

Aussetzung der US-Medtech-Steuer beschleunigt Produktentwicklungen

Die traditionell vor der JP-Morgan-Konferenz publizierten Unternehmenseckwerte des vierten Quartals 2015 haben gezeigt, dass sich der Medizintechnikmarkt in einer gesunden Verfassung befindet. Viele Unternehmen haben hervorragende Resultate erzielt. Diejenigen, die enttäuschten, litten unter unternehmensspezifischen, selbstverschuldeten Problemen.

Die Übernahme-Welle geht ebenfalls ungebremst weiter. So hat NuVasive die Übernahme des innovativen Wirbelsäulentechnikunternehmens Ellipse Tech bekanntgegeben. Dank der Aussetzung der US-Medtech-Steuer können die Medizintechnikunternehmen über die nächsten zwei Jahre die Produktentwicklung beschleunigen und verstärkt in klinische Studien investieren.