Megaseller: Die absatzstärksten Rentenfonds und ihre Strategie

Bill Gross, Fondsmanager bei Pimco

Bill Gross, Fondsmanager bei Pimco

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29.800.000.000 Euro – so viel Kapital haben die fünf absatzstärksten Rentenfonds in Europa in den vergangenen zwölf Monaten eingesammelt. Insgesamt kommen sie auf ein Fondsvolumen von 93,7 Milliarden Euro. Den Anlegern scheint nichts anderes einzufallen, als weiter Anleihen zu kaufen.

Trotz niedriger Leitzinsen und einer äußerst lockeren Geldpolitik der tonangebenden Notenbanken. Dies ließ in den vergangenen Jahren zwar die Kurse von Rentenpapieren stark steigen. Als Folge aber drückte die Nachfrage die Rendite nach unten. Ordentlich profitiert von dieser Entwicklung haben die fünf Top-Seller.

Keiner ihrer Manager blieb seit 2008 hinter der Benchmark zurück, obwohl auch die durch ein Plus von gut 34 Prozent glänzte. Mittlerweile drängt sich allerdings die Frage auf, wie es nach all den Geldinfusionen und der starken Wertentwicklung weitergehen kann. Abzüglich Inflation bleibt bei sicheren Staatsanleihen nichts mehr übrig.

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Die Realrendite wird negativ. Auch bei Unternehmensanleihen gibt es teilweise nichts mehr zu holen. So platzierte Siemens im März eine achtjährige Anleihe mit einem Kupon von 1,75 Prozent. Wie positionieren sich die fünf Erfolgsmanager in einer derartigen Situation?

Keine Performance-Sprünge

Paul DeNoon, Manager des ACM Bern-stein American Income Portfolio (WKN: A0J MH8), bleibt da ganz nüchtern: „Derzeit sehen wir keine großen Sprünge im globalen Rentenmarkt, aber immer noch Möglichkeiten für gute Erträge.“ Ein realistisches Renditeziel von 3,5 bis 4 Prozent und Streuung seien der Schlüssel zum Erfolg.

In seinem auf US-Dollar lautenden Rentenportfolio setzt DeNoon derzeit auf hochverzinste Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus den Emerging Markets. An eine Blase im Hochzinsbereich glaubt er nicht: „Die Preise sind zwar die vergangenen Jahre stark gestiegen. Aber sie kommen von einem 2008 markierten Tiefstand, was den Anstieg relativiert.“

Ähnlich vorsichtig geht Bill Gross, Manager des Pimco Total Return Bond Fund (A0K D24), zu Werke. Er rät Anlegern, das Risiko ihrer Rentenportfolios zu verringern und dafür auf Rendite zu verzichten. Seine Warnung: Es wird zu weiteren Haircuts wie in Griechenland kommen. In seinem US-lastigen Portfolio setzt er deshalb verstärkt auf eine kurze Duration. Die schützt vor unerwarteten Zinserhöhungen, die langfristigen Papieren einen herben Performance-Dämpfer verpassen würden.

Im Durchschnitt liegt die Duration des Fonds nur noch bei 4,7 Jahren. Gross’ Kollegin Eve Tournier setzt beim global anlegenden Pimco Diversified Income (A0M WBY) derzeit insbesondere auf drei Themen: qualitative Schwellenländeranleihen, speziell aus Lateinamerika, dazu Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade- sowie Hochzinsbereich und Schuldpapiere aus dem US-Immobilienmarkt.

Mit ihrer langfristig angelegten Strategie will sie Verzerrungen am Markt nutzen. „Noch immer verlassen sich Anleger auf Rating-Agenturen und Definitionen von Industrie- und Schwellenländern. Dies führt zu Lücken zwischen Bewertung und Fundamentaldaten eines Investments.“ Gerade in Zeiten niedriger Zinsen lasse sich deshalb mit aktivem Management eine Extra-Rendite gegenüber der Benchmark erzielen.

Großes Zinsrisiko

Ähnlich wie Gross warnt auch Michael Hasenstab, Manager des Templeton Global Return Fund (A0K EDJ), vor dem Risiko einer Zinsänderung. Entsprechend hält auch er die Duration im Portfolio extrem kurz. Für das Alpha, die Extra-Rendite, sucht er wie Tournier weltweit nach unterbewerteten Staats- und Unternehmensanleihen sowie Währungen.

Fündig wird er derzeit in den Schwellenländern und vor allem in Asien. Hasenstab: „Die robusten Wachstumsraten in der Region und die niedrige Verschuldung bieten günstige Kreditbedingungen. Viele Länder aus Asien, aber auch Lateinamerika und Osteuropa bieten sogar für kurzfristige Schulden hohe Zinsen, und das bei unterbewerteten Währungen.“

Derzeit ist er vor allem beim Südkoreanischen Won mit 15 Prozent und dem Malaysischen Ringgit mit 13 Prozent übergewichtet. Yen und Euro dagegen hat der Franklin-Templeton-Manager geshortet. Verlieren die beiden Währungen an Wert, macht Hasenstab Gewinn. Ähnlich wie seine Kollegen hält auch Richard Woolnough im von ihm betreuten M&G Optimal Income Fund (A0M DN8) die Duration mit drei Jahren sehr kurz.

Das Renditeproblem löst er jedoch anders: Er mischt seinem Rentenfonds Aktien bei. Derzeit sind es 11 Prozent des Portfolios, darunter BMW, Daimler und BASF. Die Anlagevorgaben seines sehr flexiblen Rentenfonds ermöglichen ihm bis zu 20 Prozent. Auf der Rentenseite bevorzugt Woolnough Unternehmensanleihen aus dem niedrigeren Investment-Grade-Bereich oder Hochzinsanleihen.

Dabei entfallen 41 Prozent der Investments auf die USA, 24 Prozent auf Großbritannien. Auch der M&G-Manager sieht die weitere Entwicklung betont realistisch: „Anders als in den vergangenen fünf Jahren werden Anleihen nur noch eine eher solide Rendite liefern, die dem langfristigen Mittel entspricht.“

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