M&G-Expertin erklärt Könnte sich der Einstieg in die Schwellenländer jetzt wieder lohnen?

Susanne Grabinger, Investmentspezialistin M&G Investments

Susanne Grabinger, Investmentspezialistin M&G Investments

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Aktien von Unternehmen aus den Emerging Markets haben sich in den vergangenen Jahren unterdurchschnittlich entwickelt und sind mittlerweile um fast ein Drittel billiger zu haben als Aktien aus den Industriestaaten (Kurs-Buch-wert-Verhältnis, Stand: 30. Juni 2016). Könnte sich der Einstieg jetzt wieder lohnen?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht mit ja oder nein beantworten. Bei der Kategorie Schwellenländer handelt es sich um eine Ansammlung unterschiedlicher Volkswirtschaften mit eigenen Potenzialen und Problemen. Was im Schnitt günstig erscheint, bewegt sich tatsächlich in einem Spektrum zwischen sehr teurer erscheinenden Ländern, etwa Mexiko, Indien oder Indonesien, und niedrig bewerteten Märkten wie der Türkei, Taiwan oder Südkorea.

Anleger wissen: Ohne Grund ist nichts billig. Neben der aktuellen Bewertung an der Börse analysieren wir deshalb die Fundamentaldaten, wie beispielsweise die Entwicklung des Gewinnwachstums. Außerdem vermeiden wir zurzeit Länder, die vom Rohstoffexport abhängen und daher unter dem niedrigen Ölpreis leiden, während Nettoimporteure profitieren. Wenn man darüber hinaus eine Länderdiversifikation anstrebt, fallen uns derzeit zwei Länder ins Auge: die Türkei und Südkorea.

Die Türkei ist sowohl mit Blick auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne als auch als Nettoimporteur von Öl attraktiv. Trotzdem halten wir aufgrund des politischen Risikos nur eine sehr kleine Position in unseren Portfolios.

Überzeugender präsentiert sich Südkorea: Die Unternehmen sind traditionell günstig bewertet, unter anderem, weil sie sich bisher kaum um die Interessen ihrer Minderheitsaktionäre gekümmert haben. Stattdessen dominieren Familienclans die Wirtschaft und somit auch den Aktienmarkt. Ihre Organisationsstrukturen und Verflechtungen sind hoch kompliziert und darauf angelegt, Gewinne im Clan zu halten.

Doch das ändert sich gerade: Die Regierung hat Anfang 2015 eine Steuer auf einbehaltene Unternehmenserlöse eingeführt und gleichzeitig die Dividendensteuer reduziert. Allein im letzten Jahr stiegen dadurch die Dividendenausschüttungen um 28 Prozent. Im internationalen Vergleich sind die Ausschüttungsquoten zwar noch niedrig, aber die Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum verbessern sich.