Mike Clements von Syz AM „Wir streben einen Gewinn von 10 Prozent pro Jahr an“

Mike Clements sucht für seine drei Oyster-Fonds nach Titeln, die Anleger beim ersten Hinsehen zusammenzucken lassen.  | © Franklin Templeton

Mike Clements sucht für seine drei Oyster-Fonds nach Titeln, die Anleger beim ersten Hinsehen zusammenzucken lassen. Foto: Franklin Templeton

//

DAS INVESTMENT: Herr Clements, Sie managen den Oyster European Opportunities, den Oyster European Selection und den Oyster Continental European Selection. Worin unterscheiden sich die drei Fonds?

Mike Clements: Die Unterschiede liegen vor allem beim Risikoprofil und der Größe der Titel im Portfolio.
Der Oyster European Selection Fund ist ein paneuropäisches Produkt, das Unternehmen aller Größen im Portfolio hat. Er investiert 45 Prozent seiner Mittel in Mid Caps, etwa 30 Prozent in Large Caps und den Rest in Small Caps. Das Portfolio ist mit 30 Titeln sehr konzentriert.
Der Oyster Continental European Selection ist ein Schwesterfonds. Er enthält nur keine Titel aus UK.
Der Oyster European Opportunities Fund ist eine konservativere Variante des European Selection Fund. Er legt 70 Prozent in Large Caps und 30 Prozent in Mid Caps an. Das Portfolio enthält keine Small Caps. Der Fonds hat mehr Titel im Portfolio, momentan sind es 42. Alle drei Fonds sind Long-only-Fonds. Wir sind jederzeit voll investiert.

Wie gehen Sie bei der Titelauswahl genau vor?

Clements: Wir sehen uns ein Unternehmen und seine Position im Markt genau an. Wir schauen, wie sich sein Marktanteil im Laufe der Zeit entwickelt hat, wer die Kunden und die Zulieferer sind und ob das Unternehmen Preissetzungsmacht hat. Wir schauen außerdem auf regulatorische und technologische Änderungen. Und wir sehen uns die Wettbewerber an. Insgesamt suchen wir qualitativ hochwertige Aktien, die eine hohe Eigenkapitalrendite bieten, einen gesunden Cashflow und starke Bilanzen haben. Wir kaufen die Unternehmen nur, wenn uns der Preis sehr attraktiv erscheint. Wir streben einen Gewinn von 10 Prozent pro Jahr an.

Das klingt hoch gegriffen.

Clements: Praktisch bedeutet das: Wir können, wenn wir unsere Qualitätsmaßstäbe anlegen, nur Anteile von Unternehmen kaufen, bei denen wir eine außerordentliche Entwicklung erwarten. Gut für uns ist, wenn viel Stress und Volatilität im Markt sind. Wir suchen nach Titeln, die vor allem bei kurzfristig ausgerichteten Investoren nicht so gefragt sind. Wir suchen auch in wenig beliebten Marktsegmenten.

Sie unternehmen Stresstests, um die Einflüsse von negative Entwicklungen auf Ihr Portfolio zu simulieren. Wie kann man sich das genau vorstellen?

Clements: Alle unsere möglichen Portfolio-Kandidaten sehen auf den ersten Blick schlimm aus. Wenn wir unsere Analysen starten, ist es zunächst schwer einzuschätzen, ob es sich um ein gutes langfristiges antizyklisch ausgerichtetes Investment handelt. Wir verwenden vier, manchmal auch acht Wochen auf die Analyse zu einer einzigen Aktie. Wir testen, wie sich die Titel entwickeln würden, wenn etwas Unerwartetes passiert. Wir modellieren Entwicklungen anhand der Bilanzen und Cashflows und treffen eine Vorhersage für die nächsten fünf Jahre. Wir fragen uns, wieviel Cashflow das Unternehmen dann für uns produziert.