Minizinsen, Korrelationen, alternative Strategien Das müssen Sie über die neue Anleihen-Welt wissen

Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung Expo 2015 in Mailand: Auch Anleiheinvestoren müssen sich an neue Perspektivengewöhnen. Foto: Getty Images

Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung Expo 2015 in Mailand: Auch Anleiheinvestoren müssen sich an neue Perspektivengewöhnen. Foto: Getty Images

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Langweilig: So kurz und prägnant wurden jahrzehntelang Anleiheinvestments von vielen Finanzmarktakteuren bezeichnet. In der Tat kam die Anlageklasse der festverzinslichen Wertpapiere mit eher sprödem Charme daher. Zwar ließ sich mit ihr solide Geld verdienen – aber den „Spaßfaktor“ ließen Anleihen weitgehend vermissen. Inflationsausgleich plus ein paar Prozentpunkte konnten im Schlaf erwirtschaftet werden – sicherlich, aber wer gleich mal zweistellige Zuwächse für den Renditekick einfahren wollte, griff dann doch lieber zu Aktien.

Ohnehin schien das Anleiheuniversum vorrangig aus sicheren Staatsanleihen zu bestehen: Also aus Papieren, die von bonitätsstarken Industrieländern begeben wurden. An Ausfälle dachte damals niemand, Staatspleiten gab es höchstens in Lateinamerika.

Heute ist alles ganz anders. Spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 steht fest, dass an den Finanzmärkten eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Zugleich ist dies eine Epoche, die Investoren zu einer neuen Bescheidenheit zwingt. Denn in den zurückliegenden Jahren ist es immer schwieriger geworden, auskömmliche Renditen bei angemessenen Risiken zu erzielen – und zwar übergreifend über alle Anlageklassen.



Mit Schwankungen leben lernen

Wer attraktive Erträge einfahren möchte, kann dies grundsätzlich auch weiterhin schaffen, muss dafür aber teilweise hohe Schwankungen in Kauf nehmen. Das gilt mittlerweile auch für das Rentensegment. Und mit Blick in die Zukunft scheint sich dies nicht zu ändern.

Dass weiterhin eher renditearme Zeiten drohen, prophezeit unter anderem eine aktuelle Untersuchung von McKinsey. Darin haben die Unternehmensberater errechnet, dass europäische Staatsanleihen anstatt wie in den letzten drei Dekaden durchschnittlich knapp 6 Prozent zukünftig nur noch 2 Prozent pro Jahr einbringen werden. Im Falle eines rückläufigen wirtschaftlichen Wachstums würden sogar Nullrenditen drohen – wobei weite Teile der Anleihewelt schon längst dort angekommen sind. In Deutschland rentieren Bundesanleihen mit Laufzeiten bis zu neun Jahren bereits negativ. Und die Umlaufrendite, die das Zinsniveau inländischer Anleihen mit einer Restlaufzeit von mehr als vier Jahren angibt, kratzte im April 2016 zum ersten Mal an der Nulllinie.