„Mittelamerika befindet sich wieder auf einem soliden Wachstumspfad“

Stefanie Ebner von DB Advisors

Stefanie Ebner von DB Advisors

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Stefanie Ebner ist Portfoliomanager für Emerging Markets Debt bei DB Advisors

Beim Wachstum belegt Panama ganz klar den ersten Platz im Vergleich zu anderen Ländern in Mittelamerika und der Karibik. Der globale Wirtschaftseinbruch im Jahr 2009 hinterließ zwar auch in Panama Spuren, jedoch verzeichnete das Land immer noch ein Wachstum von rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Infrastrukturausbau treibt Wachstum

Zu einem großen Teil ist die stabile Entwicklung auf den Ausbau des Panama-Kanals zurückzuführen. Damit verbundene Investitionen treiben die Wirtschaft kräftig an. Aber auch andere Infrastrukturprojekte wie der Bau einer U-Bahn in Panama-Stadt tragen zu der dynamischen Entwicklung des Landes bei.

Costa Ricas Wirtschaft hat zuletzt auch stark zugelegt. Freihandelsabkommen mit den USA und China erhöhten den Absatz costa-ricanischer Produkte. Zudem profitiert das Land stark von der Expansion des Mikrochip-Herstellers Intel. Inzwischen geht ein Viertel der costa-ricanischen Exporte auf das amerikanische Unternehmen zurück.

Ein liberales Investitionsumfeld allein wird aber nicht  ausreichen, die mittelamerikanische Volkswirtschaft weiter auf Erfolgskurs zu halten. Vielmehr sind staatliche Infrastrukturmaßnahmen zwingend notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Vor allem der Mangel an ausgebauten Straßen und Häfen sowie der fehlende Schienenverkehr stellen erhebliche Nachteile dar.

Guatemala weist deutlich weniger dynamisches Wachstum als Panama und Costa Rica auf. Insbesondere die angespannte Sicherheitslage belastet das Wirtschaftsklima im Land spürbar.

Die neue Regierung ist bemüht, mittels Freihandelsabkommen vermehrt ausländische Investoren nach Guatemala zu bringen. Dadurch soll das Potenzial des Landes in den Bereichen Agrargüterproduktion und Tourismus stärker ausgeschöpft werden. Ähnlich wie Costa Rica verfügt Guatemala über weitreichende Umweltressourcen. Während Costa Rica letztere zur Ankurbelung des Ökotourismus nutzt, schränkt die Sicherheitssituation in Guatemala eine solche Entwicklung aber ein.

Fiskalpolitische Herausforderungen

Panama und Costa Rica stehen trotz des starken Wirtschaftswachstums vor fiskalischen Herausforderungen. Zwar gelang es der Regierung in Panama, eine umfassende Fiskalreform durchzusetzen. Sie erhöhte die Steuern und erlies ein Gesetz über die finanzpolitische Verantwortung. Allerdings lassen hohe Staatsausgaben das Budget nach wie vor im defizitären Bereich verharren (-2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, BIPs).

In Costa Rica haben die letzten drei Regierungen vergebens versucht, eine Fiskalreform im Kongress durchzusetzen. Das Ziel ist, die Staatseinnahmen zu erhöhen. Der jüngste Vorstoß wurde vom Obersten Gerichtshof als verfassungswidrig erklärt.

Inzwischen liegt das Haushaltsdefizit bei fast 6 Prozent des BIPs. Angesichts des moderaten Wachstums im Vergleich zu Nachbarländern sowie der geringen Steuerquote (11 Prozent des BIPs) ist das Budgetdefizit in Guatemala (-2,7 Prozent) als wenig besorgniserregend einzustufen. Insbesondere die disziplinierte Ausgabenpolitik früherer Regierungen verhinderte eine stärkere Ausweitung des Defizits.

Allerdings bleibt anzumerken, dass dem Land höhere staatliche Investitionen im Bereich Infrastruktur durchaus Vorteile gebracht hätten. Die Regierung von Präsident Pérez Molina erwartet nach der im Februar 2012 verabschiedeten Steuerreform einen Anstieg der Staatseinnahmen und damit mehr Flexibilität auf der Ausgabenseite.

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