Neue Erkenntnisse des Research von Flossbach von Storch Die Abnicker im Dax – was auf Hauptversammlungen schiefläuft

Hauptversammlung eines Dax-Konzerns: Zustimmungsquoten der Aktionäre erinnern zuweilen an „Wahlen“ in autokratischen Regimen. | © Getty Images

Hauptversammlung eines Dax-Konzerns: Zustimmungsquoten der Aktionäre erinnern zuweilen an „Wahlen“ in autokratischen Regimen. Foto: Getty Images

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Kai Lehmann, Flossbach von Storch Research Institute

Einmal im Jahr ist es soweit. Die Hauptversammlung. Ein Festtag für kritische Aktionäre. Endlich werden die Eigentümer gefragt! Der Vorstand ihres Unternehmens stellt seine Pläne vor. Es geht um die Verwendung der Gewinne, Aktienrückkäufe, die Vergütung des Vorstandes. Die Aktionäre haben ein Stimmrecht. Sollten ihnen die Pläne nicht gefallen, können sie dagegen stimmen. Bei einer Mehrheit muss der Vorstand dann neu planen. Letztlich geht es in jeder Hauptversammlung auch um  die Jobs der Unternehmensführer. Denn die Aktionäre stimmen auch über Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat ab.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Aktive Aktionäre sind gut für ein Unternehmen. Sie können einen Vorstand zu Höchstleistungen treiben, Fehlentscheidungen oder Manager-Egoismen verhindern und dem Unternehmen zu einem langfristigen Erfolg verhelfen. Das ist Aktienkultur –  zumindest in der Theorie.

Abnicken und durchwinken

In der Praxis sieht es etwas anders aus. Das zeigt eine Studie des unabhängigen Flossbach von Storch Research Institute. Die Analysten untersuchten das Abstimmungsverhalten der Aktionäre bei den Hauptversammlungen der Dax-30 Konzerne. Zwar ist die Präsenzquote von im Schnitt 63 Prozent der Aktionäre in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Zustimmungsquoten von weit über 90 Prozent erinnern ungeachtet handfester Krisen und Skandale aber eher an „Wahlen“ in sozialistischen oder autokratischen Ländern.

Trotz Skandalen vornehme Zurückhaltung

Es ist natürlich erfreulich, wenn fast alle Eigentümer mit der Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat zufrieden sind. Dann gibt es keinerlei Veranlassung, den Gremien die Unterstützung zu verweigern. Wenn beim Unternehmen allerdings nicht alles rund läuft, dann dürften die Ergebnisse vor allem ein Resultat mangelnder Diskussionskultur auf deutschen Hauptversammlungen sein. Vor allem institutionelle Großinvestoren üben sich auf der Hauptversammlung der im Dax gelisteten Unternehmen oftmals in vornehmer Zurückhaltung. Im Rückblick lagen sie damit nicht immer richtig. In den vergangenen Jahren gab es bei mehreren Dax-Unternehmen handfeste Skandale, die maßgeblich auf die Gewinne und damit letztlich auch auf die Aktienkurse durchschlugen.