Noch keine "Lieschen-Müller-Hausse"

Martin Huefner

Martin Huefner

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Als der DAX in der vorigen Woche die 9.000-Punkte- Marke übersprang, war vielen mulmig zumute. So hoch wie jetzt war der deutsche Aktienindex noch nie. In den bisherigen Zyklen ist er immer an der 8.000er-Marke gescheitert.

Allein in den letzten beiden Jahren sind die deutschen Aktienkurse, gemessen am DAX, um über 50 Prozent gestiegen (30 Prozent im letzten Jahr, 18 Prozent im bisherigen Verlauf dieses Jahres). Das sind Renditen, von denen viele nur träumen und die sich so auch nicht auf ewig fortsetzen können. Könnte das Ende der Aufschwungsphase an den Aktienmärkten gekommen sein?

Natürlich kann darauf niemand eine sichere Antwort geben. Es ist aber ganz hilfreich, einmal die Argumente Pro und Contra gegenüberzustellen, um zu wissen, wo die "Stellschrauben" sind.

Gegen eine weitere Kurssteigerung spricht: Fundamental ist die Hausse nicht gerechtfertigt. Der deutsche Aktienindex hat sich in den letzten fast fünf Jahren in etwa verdoppelt. Die deutsche Wirtschaftsleistung hat dagegen zu laufenden Preisen nur um 12 Prozent zugenommen, preisbereinigt sogar nur um 5 Prozent. Da ist also viel "Blase" in den Kursen.

Die Hausse beruhte im Wesentlichen auf der starken Zinssenkung und der Liquiditätsausweitung. Die EZB-Zinsen lagen Anfang 2009 noch bei 2 Prozent, heute betragen sie 0,5 Prozent. Die Basisgeldmenge ist um 27 Prozent gestiegen. Zeitweilig war sie sogar fast 50 Prozent höher.

Und noch eines: Der Aktienaufschwung ist etwa so lang wie die beiden vorhergehenden Hausse-Phasen. Die Grafik zeigt, wie es 2008 nach fünf Jahren Kurssteige¬rungen mit einem Mal kräftig nach unten ging. Dazu trug freilich auch die Lehman-Pleite bei. Ohne sie wäre der Aufschwung vermutlich noch weitergegangen.

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