Ökoworld „Ich trage einen Wachstumstrend auf der Nase“

Alexander Funk (38), Mitgeschäftsführer im Management-Team des ethisch-ökologischen Aktienfonds Ökovision Classic. Foto: Ökoworld

Alexander Funk (38), Mitgeschäftsführer im Management-Team des ethisch-ökologischen Aktienfonds Ökovision Classic. Foto: Ökoworld

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DAS INVESTMENT.com: Laut US-Klimabehörde NOAA war der September  weltweit der mildeste seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 130 Jahren. Der Klimawandel lässt grüßen. Doch bisher nehmen die Emissionen von Kohlendioxid dramatisch zu statt ab. Ist das im Kyoto-Protokoll festgeschriebene  Klimaziel von zwei Grad überhaupt noch einzuhalten?

Alexander Funk: Nein, ist es nicht. Vier Grad sind wahrscheinlicher.

Man hat das Gefühl, es bewegt sich nicht viel in Sachen Klimaschutz. Es ist immer dasselbe: Alle sind sich einig, es muss etwas passieren, aber Zugeständnisse will keiner machen. Das ist auch das Ergebnis des New Yorker Klimagipfels, der im September stattfand. Hat ökologische Nachhaltigkeit überhaupt noch eine Chance?

Ja, auf jeden Fall. Denn unabhängig davon, was die Regierungen machen, gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die sich in diesem Bereich tummeln und viel positiv mit ihren Produkten bewegen.

Die meisten Menschen sind sich gar nicht bewusst, mit wie vielen ethisch und sozial korrekten Marken und Unternehmen sie im Alltag schon ganz selbstverständlich zu tun haben und sich somit unbewusst öko verhalten.

Zum Beispiel?

Laufschuhe, Fahrräder – der Komponentenhersteller Shimano etwa zählt zu den zehn größten Positionen im Fonds - fairer Kaffee, Biomüsli, Schokolade, Duschgel oder ökologisch korrekte Zahnbürsten. Die Liste ist lang. Vieles ist in unserem täglichen Leben bereits integriert.

Wir achten nur nicht darauf oder sind uns dessen nicht bewusst, da traditionell mit dem Begriff Öko eine isolierte Nische in Verbindung gebracht wird. Dabei ist Öko Teil des nachhaltigen Wirtschaftsprinzips.

Ein Beispiel aus dem Portfolio?

Die österreichische Firma Austriamicrosystems, AMS. Sie stellt Sensoren her, die unter anderem auch in Smartphones verbaut werden. Sie kennen das: Wenn es dunkel wird und man telefoniert, verdunkelt sich automatisch auch das Display ihres iPhones.

Die Sensoren dafür kommen von AMS. 20 Prozent seiner Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen in diesem Geschäftsfeld. Weitere 20 bis 25 Prozent der Umsätze entfallen auf die Automobilindustrie.

Mit der Hilfe von Sensoren wird beispielsweise auch das Einparken erleichtert oder die Gefahrenerkennung gesteuert.

Und das lohnt sich auch für Investoren?

Ja, das lohnt sich auf jeden Fall. In den vergangenen drei Jahren hat der Fonds ein Plus von 45 Prozent gemacht. Viele nachhaltige Themen haben starke Wachstumstrends ausgebildet.

Was sind das für Themen?

Das sind unter anderem Elektromobilität, umweltfreundlicher Transport, Stadtentwicklung, Energieeffizienz, Energieerzeugung, Wasserversorgung, Bildung und Gesundheit. Ich trage beispielsweise einen Wachstumstrend auf der Nase.

Eine Brille?

Genau. Das gehört zum Thema Gesundheit, der mit 14,9 Prozent derzeit zweitgrößte Sektor im Portfolio. Das Thema wird von der demografischen stark getrieben. Die Menschen werden immer älter und es gibt immer mehr Senioren.

Die wollen fit bleiben und ein gutes modernes Leben führen. Zu dem Bereich zählen neben Herstellern von Sehhilfen auch Produzenten von Hörhilfen, Knie- und Hüftgelenken oder Pflegeeinrichtungen. Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx bezeichnet das passenderweise als Downaging.

Wir investieren auch in ethische Fitness wie Elektrofahrräder. Die werden immer öfter von Senioren genutzt. In der demografischen Entwicklung und Wende geht es um Downaging statt Vergreisung. Ein erfreulicher Trend und ein wahnsinniger Wachstumsfaktor.

Wie genau sind Sie da investiert?

Zu den zehn größten Positionen im Portfolio zählt beispielsweise die Schweizer Unternehmensgruppe Sonova Holding, einer der weltweit größten Hersteller von Hörsystemen. Außerdem haben wir beispielsweise drei Krankenhausbetreiber im Portfolio und den japanischen Windelhersteller Unicharm.

Wie bitte? Einen Windelhersteller?

Ja, in Japan ist die Überalterung der Gesellschaft schon deutlich weiter fortgeschritten als in Deutschland. 2012 wurden in Japan zum ersten Mal mehr Windeln für Erwachsene verkauft als für Kinder.

Da entsteht aber doch richtig viel Müll. Ist das aus ökologischer Sicht kein Problem?

Doch, grundsätzlich schon. Aber was wäre die Alternative? Stoffwindeln?. Man kann sich vorstellen, wie unangenehm diese im täglichen Handling sind und wie hoch die Waschtemperatur sein müsste, um die Windeln unter verschwenderischen Einsatzvon Energie, Wasser und Waschmittel wieder keimfrei zu bekommen.

Es ist letztlich immer wieder auch ein Abwägen und eine Einzelfallentscheidung für den unabhängigen Ökovision-Anlageausschuss. In diesem Fall überwiegt ganz klar die Verbesserung der Lebensqualität.

Dieses Abwägen rettet uns davor, zu Öko-Junkies zu werden, die zum Nachteil der Menschen handeln. Es geht nicht darum, die Bequemlichkeit im Alltag einzuschränken oder auf zeitgemäße Produkte zu verzichten. Ökologie und Wohlstand schließen sich nicht aus.