Passive Investments „Die Strategie entscheidet – auch bei ETFs“

Nick King ist seit Juni 2015 Leiter ETF bei Fidelity International. Zuvor war er mehrere Jahre in leitender Position in den Bereichen ETF-Produktentwicklung und -Portfoliomanagement tätig. | © Fidelity International

Nick King ist seit Juni 2015 Leiter ETF bei Fidelity International. Zuvor war er mehrere Jahre in leitender Position in den Bereichen ETF-Produktentwicklung und -Portfoliomanagement tätig. Foto: Fidelity International

Herr King, die Fondsgesellschaft Fidelity steht wie kaum ein anderer Anbieter für aktives Management. Nun stärkt sie den passiven Bereich und hat nach einer Reihe von Smart-Beta-ETFs auch passive Indexfonds in das Produktportfolio aufgenommen. Was steckt hinter dieser Entscheidung? Und ist es nicht widersprüchlich, die Vorteile der aktiven Geldanlage herauszustellen und zugleich passive Produkte zu verkaufen?

Nick King: Aktives Management wird weiterhin der Kern der Investment-Philosophie von Fidelity bleiben. Aber wir haben festgestellt, dass viele unserer Kunden unterschiedliche Investment-Strategien kombinieren möchten, und dazu zählen eben auch passive sowie Smart-Beta-Strategien. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr unseren ersten Smart-Beta-ETF aufgelegt, in diesem Jahr folgen nun rein passive Indextracker, die wir bereits seit einigen Jahren in Großbritannien anbieten.

Im ETF-Markt herrscht intensiver Wettbewerb. Was unterscheidet die Smart-Beta-ETFs von Fidelity von anderen Angeboten?

King: Fidelity hat sich über lange Zeit mit seinen aktiv verwalteten Portfolios am Markt etabliert. Bei der Einführung der dividendenorientierten Quality-Income-ETFs war es uns wichtig, diese Expertise in die Indexentwicklung einzubeziehen. Die Faktoren, nach denen wir die Unternehmen im Index auswählen, fußen auf dem Wissen und der Erfahrung unserer Fundamentanalysen. Die Gewichtungsmethoden im Index nutzen Prinzipien unseres Risikomanagements, um unbeabsichtigte Verzerrungen zu vermeiden. Ein Beispiel dafür: Die bestehenden dividendenorientierten ETFs haben zum Teil bestimmte Sektoren um 20 Prozent über- oder untergewichtet gegenüber dem breiten Markt. Da wir solche Kenngrößen überwachen, können wir sicherstellen, dass die Produktperformance tatsächlich aus der Anlagestrategie stammt und nicht nur zufällig aus der Performance eines bestimmten Sektors.

Die Smart-Beta-ETFs sind nun fast ein Jahr auf dem Markt. Wie war die Performance bisher? Und welche Herausforderungen waren zu überwinden?

King: Die Performance seit der Einführung ist sehr stark. Unser US-ETF und unser globaler ETF stehen beide mehr als fünf Prozent besser da als Produkte unseres größten Wettbewerbers.* Das liegt vor allem an der Sektorkontrolle, die ich eben erwähnt habe. So sind viele andere ETFs untergewichtet bei Technologiewerten, während wir die Sektorallokation stets auf Höhe des Gesamtmarktes halten. Das hat die Performance erhöht, weil sich Technologieaktien in den vergangenen zwölf Monaten besonders positiv entwickelt haben. Die Leistung der beiden genannten Produkte lag zudem sogar leicht über der Entwicklung des Gesamtmarktes – und das bei signifikant höheren Dividendenerträgen.

Warum ist ein Smart-Beta-Produkt die bessere Entscheidung als ein traditioneller Fonds, der aktiv nach hohen Alpha-Erträgen sucht? Oder anders gefragt: In welchen Fällen ist ein Smart-Beta-Produkt dem aktiven Produkt überlegen?

King: Ich würde nicht sagen, dass eines besser ist als das andere. Es geht vor allem darum, was ein Kunde erreichen will. In vielen Fällen bietet eine Kombination aus beidem, also aus aktiven und passiven Strategien, eine gute Balance zwischen Kosteneffektivität und dem Potenzial für Outperformance. Dabei beeinflussen auch äußere Faktoren die Entscheidung, zum Beispiel die Anlagekategorien und die Marktbedingungen: In Marktphasen, in denen die Erträge weit auseinanderliegen und hohe Volatilität herrscht, sind aktive Produkte generell im Vorteil.

Die Marktbedingungen nach der Finanzkrise wiederum waren besonders positiv für passive Investments. Deshalb ist dieses Segment auch so stark gewachsen. Seit dem Jahr 2009 ist der MSCI ACWI um zwölf Prozent pro Jahr gestiegen. Solange derart hohe Beta-Erträge fließen, gerät das Alpha schnell in Vergessenheit. Da derzeit allerdings Unsicherheit und Volatilität zunehmen, gehen wir davon aus, dass auch Alpha weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Zusammengefasst heißt das: Beide Ansätze haben ihren Platz in einer Gesamt-Investment-Strategie, und damit sind beide wichtig für unsere Kunden.

*Quelle: Fidelity International, Stand: 03.04.2018