Schroders-Vorstand: „Unsere eigenen Geschäftspartner machen uns Konkurrenz“

Massimo Tosato, Vize-Vorstandschef von Schroders

Massimo Tosato, Vize-Vorstandschef von Schroders

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DAS INVESTMENT.com: Man sagt, Sie hätten eine Menge Espresso-Maschinen bei Schroders.

Massimo Tosato: Völlig richtig. Das war auf jeden Fall einer der besten Beiträge zur Produktivität, die ich bei Schroders durchgesetzt habe. Wir haben jetzt in jedem Büro auf der ganzen Welt eine Espresso-Maschine.

DAS INVESTMENT.com: Wie viele trinken Sie denn am Tag?

Tosato: Oh, das sind nicht mehr als drei. Aber unsere Kunden und Mitarbeiter mögen sie auch sehr gern.

DAS INVESTMENT.com: Was ist mit normalem Kaffee?

Tosato: Habe ich nie getrunken.

DAS INVESTMENT.com: Seit 2000 hat Schroders einige Vermögensverwalter übernommen, aber immer noch Geld in der Kriegskasse. Wie müsste ein neuer Kaufkandidat sein?

Tosato: Zunächst sind wir traditionell kein Aufkäufer. Wir haben nur wenige kleine Gesellschaften übernommen, um Investment-Kapazitäten oder Märkte zu stärken, in denen wir noch schwach waren. Am liebsten wachsen wir organisch. Das ist zwar langfristiger aber auch viel solider.

DAS INVESTMENT.com: Haben Sie noch Schwächen, die Sie abstellen wollen?

Tosato: Es gibt immer Schwächen, ganz klar. Aber immerhin sind wir mit Ausnahme von Infrastrukturanlagen mit fast jeder wichtigen Anlagestrategie am Markt. Auch geografisch sind wir breit aufgestellt. Ich sehe also derzeit nur sehr wenige relevante Lücken,möglicherweise in Indien, Russland und der Türkei.

DAS INVESTMENT.com: Wie sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Tosato: Wir müssen erst einmal gut durch die Staatsschuldenkrise in der Eurozone kommen. Das Umfeld ist schwierig und wird es auch 2012 bleiben.

DAS INVESTMENT.com: Spezielle Maßnahmen?

Tosato: Nein. Das institutionelle Geschäft läuft weiter gut, auch wenn wir da eine Entschleunigung erwarten.  Aber wir sind optimistisch. Wir erschließen neue Kundengruppen wie Staatsfonds und Versicherungen als Ergänzung zu traditionellen Pensionsfonds. Wir sind auch in Asien und Amerika gut aufgestellt. Damit fühlen wir uns ganz gut und verzeichnen Nettomittelzuflüsse.

Probleme gibt es dagegen beim Vermittlergeschäft in Europa. Die Anleger wollen ihre Risiken senken. Und ihre Banken, die auch unseren Vertrieb in Europa kontrollieren und damit unsere eigenen Geschäftspartner sind, machen uns Konkurrenz. Sie brauchen Geld, weil der Geldmarkt eingefroren ist, und bieten deshalb verschiedene Formen von Einlagen verstärkt an. Alles, was Geld auf die Bilanz bringt. Das Problem wird sich noch über das kommende Jahr hinziehen. Was in Europa fehlt, sind regelmäßige Sparraten in Investmentfonds und spezielle Rentensysteme für eigenes Sparen, wie es das in Amerika gibt. Europäer sparen meist auf Konten, die aber nur für kurzfristige Anlagen geeignet sind. Das ist ein strukturelles Problem.