Schwellenländer Anleger müssen wieder gieriger sein

Isabel Galleguillos packt selbst mit an: Die 50-Jährige hat es in der Nähe der chilenischen Stadt La Loica zur ersten weiblichen Eigentümerin einer Kupfermine gebracht. (Foto: Pablo Bigorra / AFP / Getty Images)

Isabel Galleguillos packt selbst mit an: Die 50-Jährige hat es in der Nähe der chilenischen Stadt La Loica zur ersten weiblichen Eigentümerin einer Kupfermine gebracht. (Foto: Pablo Bigorra / AFP / Getty Images)

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Bis zum 22. Mai 2013 galten die Emerging Markets als sichere Bank: Günstige Demografie-Daten, Ressourcen-Reichtum und eine geringe Verschuldung schienen Investments in den Schwellenländern zu einem Selbstläufer zu machen.

Doch an jenem Mai-Tag deutet der damalige US-Notenbank-Chef Ben Bernanke an, dass die von ihm betriebene Politik des billigen Geldes eines nicht allzu fernen Tages ein Ende haben könnte. Allein der Gedanke an eine monetäre Entzugskur ließ die Finanzmärkte unisono einbrechen.

Während sich die Börsen in den Industrieländern schnell erholten, blieben Schwellenländeraktien auf Talfahrt. Eine Talfahrt, die sich im Januar noch einmal beschleunigt hat.

„Die Emerging Markets erleben gerade eine Zäsur“, sagt Bernhard Esser, China- und Schwellenländer-Experte bei HSBC. Die Furcht, dass viele ausländische Anleger ihr Geld bei wieder steigenden Zinsen in der Heimat abziehen könnten, lässt neben den Aktien auch viele lokale Währungen abstürzen.

Esser: „Die Länder sind keine homogene Gruppe mehr, sie müssen künftig vermehrt einzeln bewertet werden. Investoren dürften künftig Länder mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit und den damit anfälligen Währungen meiden.“

Die Investmentbank Morgan Stanley prägte dafür den Begriff der Fragile Five – gemeint sind Indien, Brasilien, Südafrika, Indonesien und die Türkei. Vor allem diese fünf Länder wurden in den vergangenen Monaten massiv abgestraft.

China ist weniger anfällig

Es gibt Esser zufolge aber auch weniger anfällige Schwellenländer: „China beispielsweise wegen seiner Devisen-Restriktionen oder kleinere Länder wie Malaysia, Singapur, Chile und Peru wegen ihrer intakten Leistungsbilanzen.“

Und trotz der momentanen Unsicherheit könnte eine weitere Rücknahme des Quantitative Easing weniger drastisch vom Markt aufgenommen werden als es die aktuellen Verwerfungen befürchten lassen.

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Zudem könnten künftige Aktionen von Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen die Lage wieder etwas beruhigen. Die neue Notenbank-Chefin gilt als geldpolitische Taube. Eventuelle weitere Tapering-Schritte dürften deshalb graduell und nicht plötzlich kommen.

Das bannt ein wenig die Gefahr von kollektiven Angst-Verkäufen. Einer kann dem Schwenk in der Notenbank-Politik sogar etwas abgewinnen: Richard Titherington. Der Investmentchef für Emerging Markets Aktien von JP Morgan Asset Management und Manager des JPM Emerging Markets Opportunities Fund (WKN: A0RPE4) sieht durchaus auch die negativen Folgen der lockeren Geldpolitik.

So habe diese in den Industrienationen zwar Deflation verhindert, in den Emerging Markets aber Inflation verursacht. „Deswegen könnte die Rückführung des Quantitative Easing langfristig gar nicht so schlecht für die Schwellenländer-Börsen sein“, so Titherington.

Letztlich dürfte es für die Region vor allem darauf ankommen, dass sich das globale Wirtschaftsbild aufhellt. Dort sieht die Weltbank mittlerweile einen Wendepunkt erreicht. Sie erwartet 2014 ein globales Wachstum von 3,2 Prozent nach 2,4 Prozent 2013.