„Schwellenländerfonds bewerten wir nicht“

Fonds-Wächter: Sasa Perovic (37) leitet seit November 2007 den <br>  Bereich Investmentfonds und Zertifikate der Berliner Rating-<br> Agentur Scope Analysis.

Fonds-Wächter: Sasa Perovic (37) leitet seit November 2007 den
Bereich Investmentfonds und Zertifikate der Berliner Rating-
Agentur Scope Analysis.

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DAS INVESTMENT.com: Warum startet Scope Analysis ein spezielles Rating für vermögensverwaltende Fonds?

Sasa Perovic: Weil es hier noch Nachholbedarf gibt. Die Qualitätsansprüche sind in diesem Bereich besonders hoch, und Transparenz ist deshalb sehr wichtig.

DAS INVESTMENT.com: Wodurch unterscheidet sich ein vermögensverwaltender, kurz VV Fonds von einem klassischen Mischfonds?

Perovic: Vermögensverwaltende Fonds sind auch Mischfonds, haben aber einen höheren Anspruch. Sie wollen ein Basisinvestment sein. Ihr Ziel ist Kapitalerhalt, und zwar unabhängig von der Entwicklung an den Märkten.

DAS INVESTMENT.com: Welche Kriterien muss ein Fonds erfüllen, damit er von Ihnen als vermögensverwaltend eingestuft wird?

Perovic: Er muss mindestens drei verschiedene Asset-Klassen abdecken. Dazu zählt auch die Cash-Position, aber nur wenn sie aktiv gemanagt wird, also keine Kasse als reine Rechengröße. Damit wollen wir verhindern, dass etwa Immobilienfonds als vermögensverwaltend eingestuft werden. Der Fondsmanager sollte zudem einen verbindlich definierten Investmentprozess verfolgen, unabhängig von einer Benchmark.

DAS INVESTMENT.com: Auch unter den VV-Fonds selbst gibt es große Unterschiede. Wie lösen Sie das?

Perovic:Wir unterteilen die Fonds in vier Kategorien: defensiv mit bis zu 25 Prozent Aktien, ausgewogen mit bis zu 60 Prozent Aktien, offensiv – zwischen 60 und 100 Prozent Aktien – und flexibel mit einem Aktienanteil zwischen 0 und 100 Prozent.

DAS INVESTMENT.com: Was prüfen Sie dann?

Perovic: Wir bewerten quantitativ und qualitativ die drei Bereiche Portfolio, Risikomanagement und Managementqualität. Zunächst untersuchen wir Fondsprospekte und Factsheets, dann schicken wir Fragebögen an die Gesellschaften, die rund 100 Fragen enthalten, und sprechen anschließend mit den Managern.

DAS INVESTMENT.com: Was genau wird dabei bewertet?

Perovic: Im Bereich Portfolio beispielsweise prüfen wir die Investmentstrategie. Welche Philosophie hat der Fondsmanager, welche Prozesse laufen im Hintergrund? Wir machen eine Erfolgsanalyse und sehen uns die Performance-Stabilität an. Beim für uns sehr wichtigen Risikomanagement prüfen wir, wie Verluste begrenzt werden, welche Vorgaben es gibt. Und wir sehen uns die Kosten an: Wie teuer ist der Fonds insgesamt, gibt es eine Erfolgsbeteiligung? Und wenn ja, wie wird sie berechnet?

DAS INVESTMENT.com: Wie beurteilen Sie grundsätzlich eine Performance-Fee?

Perovic: Dagegen ist aus unserer Sicht nichts einzuwenden, weil die Performance-Fee ein Ansporn für den Fondsmanager ist. Es gibt zudem keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass sie der Performance langfristig schadet. Es kommt aber auf die Ausgestaltung an: Negativ bewerten wir, wenn nur ein hypothetischer Vergleichsindex geschlagen werden muss und es keine Hurdle Rate gibt, also keine Hürde, die der Fondsmanager erst überspringen muss, um die Performancegebühr einzustreichen.

DAS INVESTMENT.com: Wie prüfen Sie die Managementqualität?

Perovic: Welche Erfahrung hat der Manager, ist es eine One-Man-Show oder ein Teamansatz mit einem strukturierten Investmentprozess, welche Qualität hat der Researchprozess? Qualifizierte Analysten können auch für einen guten Manager eine wertvolle Unterstützung sein.

DAS INVESTMENT.com: Sollte der Manager selbst in seinem Fonds investiert sein?

Perovic: Es ist kein Muss, wird von uns aber sehr positiv bewertet. Will uns der Manager davon überzeugen, dass sein Fonds der beste ist, dann erscheint es nur logisch, dass er selbst investiert ist. Ansonsten stellt sich die Frage, ob er sein eigenen Strategie nicht traut – vorausgesetzt, er befindet sich nicht gerade in einer Ausnahmesituation und hat einfach kein Geld zum Investieren, etwa weil er ein Haus baut oder Vater geworden ist.