Schwellenmärkte „Nicht mit Kleingeld zufrieden geben – sondern in die Zukunft schauen“

Rob Marshall-Lee, Investment-Leiter des Schwellenländer-Teams bei Newton Investment Management and Manager des BNY Mellon Global Emerging Markets Fund | © BNY Mellon

Rob Marshall-Lee, Investment-Leiter des Schwellenländer-Teams bei Newton Investment Management and Manager des BNY Mellon Global Emerging Markets Fund Foto: BNY Mellon

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DASINVESTMENT.COM: Herr Marshall-Lee, mit Ihrem Team betreuen Sie den BNY Mellon Global Emerging Markets Fund. Warum könnte es sich derzeit wieder lohnen, in Schwellenmärkten zu investieren?

Robert Marshall-Lee: Wir müssen hier einige Punkte klarstellen: Im vergangenen Jahr sahen wir eine erneute Rally bei Rohstoffen. Diese hat sich jetzt wieder abgeschwächt, wie wir erwartet hatten. Die Wette auf steigende Rohstoffpreise erscheint uns derzeit nicht sonderlich interessant. Warum? Nach der Finanzkrise hatte China die Rohstoffnachfrage gestärkt. Diese Nachfrage hat aber mittlerweile stark nachgelassen. Dennoch ist das Rohstoffangebot reichlich vorhanden, so dass es unwahrscheinlich ist, dass die Preise nachhaltig steigen

China ist hier aber eine Ausnahme oder?

Marshall-Lee: Vorerst dürfte Chinas Verbrauch von Rohstoffen weiterhin hoch bleiben, das Land wächst derzeit mit immer noch rund 6 Prozent jährlich. Weil die Bevölkerung von China zunehmend reicher aber auch älter wird – ähnlich der Entwicklung in Westeuropa –, bieten sich im Reich der Mitte jedoch vor allem Engagements in der Konsumgüter- und Dienstleistungsindustrie an. Darüber hinaus sind wir in Internet, im Gesundheitswesen und im Bildungssektor investiert. Wir erwarten, dass es hier Unternehmen gibt, deren Gewinne jährlich 20, 40 und sogar 50 Prozent zulegen – und zwar auf Sicht vieler Jahre.

Schauen wir uns einmal den chinesischen Aktienmarkt genauer an. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Kurse stetig aber moderat nach oben bewegt. Aber wenn man in den richtigen Branchen investiert ist, nämlich in Internet, Gesundheit und Dienstleistungen, hat man seine Einsätze verfünf- oder sogar versechsfacht. Hier zeigen die fundamentalen Kennzahlen: Die Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen ist einfach da. Die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in China ist wächst schneller. Der Bildungssektor boomt, weil es im Bildungswesen Chinas sehr wettbewerbsorientiert zugeht und die obere Mittelklasse rasant gewachsen ist. Privatwirtschaftliche Angebote in den Sektoren Gesundheit und Bildung dürften dementsprechend in den kommenden Jahrzehnten weiterhin sehr ordentlich wachsen.

In welchen weiteren Ländern außer China ist der BNY Mellon Global Emerging Markets Fund investiert?

Marshall-Lee: 30 Prozent unseres Kapitals haben wir in Indien investiert, schon seit Jahren. Im Gegensatz zu China befindet sich Indien aber derzeit in einer schwachen Phase des Kredit- und Wirtschaftszyklus. Die Verbraucher haben hier oft nicht das Geld, um sich ein Motorrad oder ein Auto kaufen zu können. Wir beobachten jetzt allerdings eine allmähliche Erholung. Die Ausgangslage ist gut: Die indischen Verbraucher sind – anders als in den westlichen Ländern – nur in geringem Maße verschuldet. Die Bevölkerung ist sehr jung. Die Zahl der arbeitsfähigen Menschen in Indien wird sich in den nächsten zwanzig Jahren um 40 Prozent erhöhen, haben UN-Studien ergeben.

Alle diese Menschen werden westliche Produkte haben wollen. Die Nachfrage wird in einigen Jahren immens sein. Es ist großartig, mit welcher Vehemenz die indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi daran arbeitet, die Inder in den Weltmarkt einzubinden. Es wurden neue biometrische Personalausweise mit Online-Ausweisfunktion ausgegeben, die mit Bankkonten und Smartphone vernetzt sind. Mit ihrer Bargeldreform will die Modi-Regierung den Sumpf der Korruption austrocknen. Wer eine weiße Weste haben will, muss alles auf elektronischem Weg regeln. Nicht zuletzt werden sämtliche Sozialleistungen der Regierung an die Bürger über die neue ID-Karte abgewickelt. Das alles sind sehr lobenswerte Entwicklungen.