Skype und die ökonomische Freiheit: Litauischer Russland-Fonds-Manager schwärmt für Estland

Aivaras Abromavicius

Aivaras Abromavicius

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DAS INVESTMENT.com: Des einen Leid, des anderen Freud: Die Auswirkungen der Japan-Katastrophe kommen laut Branchenexperten vor allem Russland zugute.

Aivaras Abromavicius: Ja, und zwar nicht nur im Energiesektor. Denn die Vorteile, die der weltweit größte Energielieferant aus steigenden Preisen für Öl und Gas zieht, sind schon ausgiebig diskutiert worden. Wesentlich seltener werden hingegen die indirekten Profiteure erwähnt.

DAS INVESTMENT.com: Die da wären?

Abromavicius: Stahlunternehmen und die Fischindustrie zum Beispiel. Denn die Infrastruktur in einigen Regionen Japans muss komplett neu aufgebaut werden. Direkt haben die russischen Stahlproduzenten zwar nicht viel davon, da sie nur einen kleinen Teil ihrer Produktion nach Nippon liefern. Doch die Infrastruktur-Projekte in Japan werden die weltweite Nachfrage steigen lassen, was auch den russischen Stahlriesen zugute kommen wird.

DAS INVESTMENT.com: Und warum Fischindustrie?

Abromavicius: Japanisches Essen ist bei der russischen Mittel- und Oberschicht äußerst beliebt. Davon konnte ich mich bei meinem jüngsten Moskau-Besuch vor wenigen Wochen selbst überzeugen: Im Zentrum der Hauptstadt reiht sich ein Sushi-Restaurant an das nächste. Bisher haben diese Restaurants einen großen Teil ihrer Zutaten aus Japan importiert. Nun dürften sie aus Angst vor verstrahlten Lebensmitteln mehr Fisch aus den heimischen Gewässern nachfragen.  

DAS INVESTMENT.com: Laut einer Marktanalyse von State Street Global Advisors, die die Wertentwicklung der Schwellenmarkt-Papiere zwischen Januar 1997 und März 2011 untersuchte, haben sich die Aktien kleinerer Schwellenländer in den vergangenen 14 Jahren besser entwickelt als die Papiere der vier Bric-Riesen. Gilt dies auch für den osteuropäischen Markt?

Abromavicius: Ja, auch in Osteuropa wuchsen einige Kleinstaaten – vor allem in der baltischen Region - in den letzten Jahren wesentlich schneller als der „große Bruder“ Russland. So zählt Estland, dessen Bruttoinlandsprodukt allein im vierten Quartal 2010 um 6,6 Prozent zulegte, zu den wachstumsstärksten EU-Ländern. Obwohl das Land mit gerade einmal rund 1,34 Millionen Einwohner das kleinste der drei baltischen Länder ist, gehört es im Bereich der Kommunikationstechnologie zu den Marktführern. Dort wurde beispielsweise das weltbekannte Internet-Telefonie-Tool Skype entwickelt. Auch bei der ökonomischen Freiheit rangiert das Land weit oben im internationalen Vergleich. Man darf jedoch nicht vergessen, dass dem rapiden Wirtschaftswachstum sowohl in Estland als auch in anderen osteuropäischen Kleinstaaten ein sehr niedriges Ausgangsniveau zugrunde liegt.