Stiftungen Hilfe bei der Auswahl des Vermögensverwalters

Markus Hill

Markus Hill

// //

Markus Hill, Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen: www.markus-hill.com

„Geld gleicht dem Dünger, der wertlos ist, wenn man ihn nicht ausbreitet.“ (Francis Bacon). Stiftungen befinden sich derzeit in der interessanten Lage, im Niedrigzinsumfeld nach alternativen Anlagemöglichkeiten zu suchen. Dies schließt mit ein, nach alternativen Möglichkeiten zur Beratung beziehungsweise Verwaltung ihrer Gelder Ausschau zu halten: Die Suche nach externem Know-how, Expertise, Netzwerk und gegebenenfalls auch die Suche nach der Optimierung von Performancepotential. Gibt es Alternativen beziehungsweise Ergänzungsmöglichkeiten zur gängigen Beratung von Stiftungen durch Hausbanken beziehungsweise Banken? Welche „weichen Faktoren“ spielen beim Entscheidungsprozess eine Rolle?

Beratung und Performance

Viele Stiftungen werden von sogenannten Hausbanken beraten. Aufgrund der Historie, zum Beispiel Kontoverbindung und womöglich Beratung in der Gründungsphase der Stiftung, ist dieser Sachverhalt nachvollziehbar. Verschiedene Stiftungen stellen ab und an die Frage, ob in jedem Fall eine neutrale Beratung erfolgt oder ob nicht unter Umständen die Gefahr bestehen könnte, dass womöglich eine Fokussierung auf hauseigene Produkte erfolgt.

Unabhängig von der endgültigen Beantwortung dieser Frage wird die weitere Dimension dieser Frage übersehen: Jeder Privatanleger und Institutionelle hat – konzerngebunden oder nicht-konzerngebunden – das Problem, dass die Portfoliomanagementgüte sich erst am 1.1. des Folgejahres genau analysieren lässt. Vielleicht führt diese Erkenntnis dazu, dass man sich mental etwas aus der Jagd nach dem „perfekten“ Portfoliomanager herausnehmen kann und eher beim Ausbau des Risikomanagements noch Optimierungspotentiale ausschöpft. Eine simple Erkenntnis aus diesem Prozess ist: Neben der Diversifikation im Bereich von Produkten, Asset-Klassen, Investmenstilen et cetera kann auch eine Diversifikation im Beratungsbereich sinnvoll sein.

Family Offices

Viele Family Offices beraten erfolgreich Stiftungen. Der Vorteil ist, dass bei diesen häufig ein exzellentes Netzwerk hinsichtlich Know-how und Portfolio Management-Expertise zu finden ist. Der Nachteil ist, dass diese Adressen die Öffentlichkeit scheuen. Vielleicht auch aus dem Gedanken heraus, dass der bestehende Kundenstamm sichert, dass man nicht jedem Geschäft hinterher rennen muss.

Verschiedene Häuser verfügen über einen guten Track Record, sei es in der Auswahl und Management von Einzelanlagen oder beim Management von eigenen, stiftungsgeeigneten Investmentfonds. Der Vorteil – entsprechende Stiftungsaffinität des Family Offices vorausgesetzt – kann unter anderem darin bestehen, dass die Hausphilosophie in der Regel ohnehin in Richtung Kapitalerhalt + x geht. Kapitalerhalt alleine reicht nicht, Ausschüttungen müssen erwirtschaftet werden unter Berücksichtigung der Inflationsrate. Die Denke ist entscheidend: Kapital ist vorhanden, aus dem man noch lange Zeit Ertrag ziehen möchte, der Stiftungszweck soll mit Ruhe weiterverfolgt werden.

Vermögensverwalter - unabhängige Asset Manager („Fondsboutiquen“)

Hier empfiehlt es sich genau hinzusehen. Typische Fragen von geeigneten Kandidaten zur Zusammenarbeit sind:

1. Berät der unabhängige Vermögensverwalter lediglich Privatkunden?
2. Wie vermögend sind die Privatkunden im Durchschnitt?
3. Vertreibt der Vermögensverwalter vorrangig eigene Produkte?
4. Worin besteht Qualifikation und „Affinität“ zum Bereich Stiftungen?

Die Fragen Nr. 1 bis Nr. 3 lassen sich in der Regel schnell klären. Schwieriger erscheint oft die Arbeit mit weichen Faktoren wie zum Beispiel „Stiftungungsaffinität“, Stiftungs-Know-how und Stiftungs-Netzwerk. Versteht der Vermögensverwalter über seine fachliche „Asset Management-Brille“ hinaus Gedankenwelt, Anliegen, Sorgen und Nöte des Entscheiders auf der Stiftungsseite? Fühlt er sich dort, neben „angemessener“ Portfolio Management-Leistung, gut aufgehoben?

Das Abtasten und Prüfen von den genannten mehr weichen Faktoren nimmt häufig Zeit in Anspruch. Herrscht Anlagedruck, dann erscheint der Zeitfaktor entscheidend: Schnelles Identifizieren von einem neuen, unabhängigen Berater, Kennenlernen, „Miteinander Warmwerden“ (Vertrauensaufbau), Praxisprüfung der Zusammenarbeit, Kontrolle der Ergebnisse – abschließendes Urteil: Mehrwert? Alternative zur Hausbank oder Ergänzung der Beratung der Stiftung durch den Vermögensverwalter? Sei es durch Ergänzung der Besetzung von fachlichen Gremien, Beiräten, sei es durch die Mandatierung bei Direktanlagemandaten und Fonds.

Die Beschreibung dieses Prozesses beinhaltet auch die Erkenntnis, dass zu Beginn eine Entscheidung unter Unsicherheit vorliegt. Fairerweise kann man an dieser Stelle sagen, dass auch Vermögensverwalter von Stiftungen nach gründlicher Prüfung ausgewechselt beziehungsweise durch „Zusatzkandidaten“ ergänzt werden können