Thorsten Polleit So will die EZB den Euro-Crash verhindern

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa

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Mit dem Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab Ende 2007 begannen die Aktien der Euro-Banken einzuknicken - und der Goldpreis (in Euro gerechnet) begann seinen Höhenflug.

Das Vertrauen in die Euro-Banken schwand. Die Finanzierungskosten der Geldhäuser verteuerten sich. Verluste auf Kredit- und Derivativgeschäfte drohten, das ohnehin schon knappe Eigenkapital der Geldhäuser aufzuzehren.

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Die mittlerweile stark ausgeweitete Regulierung schnürt die Ertragsmöglichkeiten der Banken ab. Erschwerend kommt die Null- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hinzu.

Zeichnet sich eine neuerliche Bankenkrise ab? Eine Krise, die vielleicht noch größere Ausmaße annehmen kann als die, die in den letzten Jahren durchlaufen wurde? Um diese Fragen zu beantworten, ist es wichtig, sich über die Rolle und vor allem auch die Macht der Zentralbanken bewusst zu sein. Denn sie haben noch „Asse im Ärmel“, und das sollten Sparer und Investoren nicht übersehen.

„Weiter so“

Die großen Zentralbanken rund um die Welt handeln nach dem Motto: „Weiter so”. Sie wollen die Finanzmärkte vor dem Zusammenbruch bewahren und die Wirtschaft in Gang halten. Was immer dazu erforderlich ist, wird getan.

Die Zentralbankräte wissen dabei ganz genau, wo sie ansetzen müssen: In den Kreditmärkten. Sie müssen dafür sorgen, dass die Kreditausfallsorgen aus den Finanzmärkten vertrieben werden. Denn das Wohl und Wehe der internationalen Geld- und Kreditarchitektur hängt am reibungslosen Kreditfluss. Um systemgefährdende Kreditausfälle abzuwehren, haben die Geldbehörden die Zinsen auf Rekordtiefstände gedrückt.

Sie haben zudem die elektronische Notenpresse angeworfen, um strauchelnde Staaten und Banken zahlungsfähig zu halten. Die Zentralbanken stellen Staaten und Banken die benötigten Zahlungsmittel zur Verfügung. Die Zentralbanken leihen sich auch untereinander ihre heimische Währung – dies sind die sogenannten „Liquidität-Swap-Abkommen“. Unter diesen Bedingungen wird es so etwas wie 2008/2009 – eine politisch ungewollte „Mega-Pleite“, ein „Credit Event“ eines systemrelevanten Spielers im Weltfinanz-system – nicht mehr geben.



Als Monopolisten der Geldproduktion haben die Zentralbanken die Macht, die Kredit- und Geldmengen immer weiter auszuweiten: Sie können unbegrenzt neue Kredite vergeben und neues Geld in Umlauf bringen.