Tocqueville-Manager Robert Kleinschmidt über US-Aktien „Vor allem Small und Mid Caps haben noch Potenzial“

Robert Kleinschmidt

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DER FONDS: 2014 war ein weiteres gutes Jahr für US-Aktien. Ist die Wall Street immer noch bullish?

Robert Kleinschmidt
: Trotz eines holprigen Starts ins Jahr scheint der Appetit auf US-Aktien noch nicht gestillt. Der aktuelle Zyklus ist im sechsten Jahr, und die Wirtschaft scheint eine gewisse Eigendynamik entwickelt zu haben. Die Inflation und die Inflationserwartungen sind ziemlich niedrig, und die US-Konjunktur sollte trotz der schwachen Entwicklung in anderen Teilen der Welt und der volatilen Rohstoffpreise auf Kurs bleiben. Eine Korrektur an der Börse würde uns zwar nicht überraschen, schließlich hält der Bullenmarkt schon lange an. Wir erwarten unter den derzeitigen Bedingungen aber keine länger anhaltende Schwäche am Aktienmarkt.

Crashtest: Die besten Aktien-Fonds Nordamerika

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Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Comstage Nasdaq-100 ETF 174 94 0 80 127
2 I-Shares Nasdaq-100 ETF R 171 91 0 80 612
3 Easy-ETF Russell 1000 149 35 44 70 100
4 Lyxor ETF Nasdaq-100 148 88 0 60 380
5 I-Shares Nasdaq 100 ETF B 140 80 0 60 546
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 12. Januar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 12. Januar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis


Wie wird sich die erwartete Zinserhöhung durch die Fed auf den US-Aktienmarkt auswirken?

Während viele – wohl die meisten – erwarten, dass die Fed im späteren Jahresverlauf die Zügel bei der Geldpolitik anzieht, sind wir uns hier nicht so sicher. Die Dollar-Aufwertung, der niedrigere Ölpreis und die anhaltende wirtschaftliche Schwäche außerhalb der USA haben die Fed bereits auf ihrem Weg zu Zinserhöhungen vorsichtiger werden lassen. Ganz davon abgesehen müssen sich leicht steigende Zinsen, die auf einer starken Wirtschaft basieren, nicht negativ auf einen gesunden Aktienmarkt auswirken.

Warum war es in den vergangenen Jahren für aktive US-Fonds so schwer, den Index zu schlagen?

Analysten stehen immer bessere Tools und mehr Informationen zur Verfügung. Einige sehen die noch größere Effizienz des Markts als einen Grund. Ein sehr viel wahrscheinlicherer Grund ist jedoch die Tatsache, dass wir uns mitten in einem liquiditätsgetriebenen Markt befinden, der vor allem die Aktien der großen, bekannten Unternehmen steigen lässt. Diese Aktien befinden sich in den häufig genutzten Indizes, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Schaut man nur auf diese Indizes, kann man die Stärke des Gesamtmarkts schnell überschätzen. Kleinere Unternehmen zum Beispiel, vor allem Value-Titel, hinken den Indizes deutlich hinterher.

Hält diese Entwicklung 2015 an?


Falls die Zinsen steigen, sollten erfahrene Stockpicker sich wieder profilieren können. Unser Ziel ist es allerdings nicht, einen Index zu schlagen. Vielmehr konzentrieren wir uns auf Kapitalerhalt und Risikomanagement. Zwei Prioritäten, die Indexfonds nicht bieten.

Ist der US-Aktienmarkt schon zu teuer, vor allem für Sie als Value-Investor?

Einige Kriterien lassen den Markt sehr teuer aussehen, andere weniger. Nicht zu bestreiten ist, dass er einige gute Jahre in Folge hinter sich hat und ein wenig Skepsis durchaus vertragen könnte. Wir betrachten jedoch nicht den Markt als Ganzes, wenn wir Anlageentscheidungen treffen. Und wir versuchen schon gar nicht, den Markt auf Basis mittelfristiger Vorhersagen zu timen. Wir suchen vielmehr nach einzigartigen Anlagemöglichkeiten, und die gibt es immer noch, vor allem bei den Small und Mid Caps. Aber auch bei den Standardwerten finden wir immer Titel, die gerade nicht angesagt sind - egal, wie hoch der Markt schon gelaufen ist. Zum Beispiel haben wir erst kürzlich Mattel neu ins Portfolio genommen. Der traditionelle Blue Chip des Spielwarensektors ist 2014 stark unter Druck geraten. Zudem haben wir Kursschwächen genutzt, um unsere Positionen in Amazon und Qualcomm auszubauen.

Was bedeutet Value-Investing für Sie in der Praxis?


Um in eine Aktie zu investieren, müssen wir zunächst überzeugt sein, dass sie einen inneren Wert bietet, den der Markt nicht erkennt. Wir schauen nach Value in den Bilanzen, in der Fähigkeit, Cash zu generieren, in der Langlebigkeit der Marke, der Stärke der Marktposition und der Plausibilität der langfristigen Strategie. Im Gegensatz zu den meisten Wall-Street-Investoren interessieren uns die kurzfristigen Gewinnaussichten nicht. Viele Unternehmen sind ins Portfolio gekommen, weil sie aufgrund von Gewinneinbrüchen oder vorübergehend schlechter Gewinnaussichten günstig zu haben waren.

Wie reagieren Sie, wenn die Märkte fallen? Haben Sie hierfür eine spezielle Strategie?

Eine bekannte Aussage von Benjamin Graham ist: In Bärenmärkten gehen Aktien an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurück. Abwärtsmärkte ermöglichen es Value-Investoren oft, zwischen wichtigen und unwichtigen Nachrichten zu unterscheiden und dann große Marken mit einem Abschlag auf ihren inneren Wert zu kaufen.