Vermögensverwalter Uwe Zimmer „Europäische Wirtschaft besser aufgestellt als die der USA“

Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltung Z-Invest

Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltung Z-Invest

Es ist erst ein paar Monate her, dass die Börse von einer Dollar-Euro-Parität sprach, davon, dass die USA stark und Europa schwach seien. Heute sieht die Welt schon anders aus – und trotzdem könnte es mit dem Euro noch einmal abwärts gehen.

Währungen sind der Spiegel einer Volkswirtschaft. Sie zeigen, wie es um ein Land und seine Wirtschaft steht. Theoretisch zumindest, und langfristig wird sich diese Beurteilung auch durchsetzen. Fundamentale Daten sind nicht zu übergehen. Kurzfristig aber herrscht an den Märkten immer die Spekulation. Und die könnte den Euro noch einmal drücken.

Enttäuschte Erwartungen in USA

Abwärts ging es mit ihm, als Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Sein „America first“ und die angekündigten großen Infrastrukturprogramme schürten die Erwartung, dass es in den USA schneller aufwärts gehen würde als in Europa. Zumal Europa verwundbar erschien, geschwächt durch den Brexit und den Aufwind für die europakritischen Parteien in vielen Ländern.

Doch je länger diese Präsidentschaft dauerte und je mehr sich zeigte, dass Trump als Präsident nicht allzu viel von dem Versprochenen auch umsetzen wollte und konnte, desto schwächer wurde der Dollar. Derzeit schauen wir auf ein Niveau zwischen 1,10 und 1,15 statt auf die Parität.

Gleichzeitig schafft es Europa, aus dem Brexit etwas Verbindendes, ein gemeinsames Projekt, zu machen. Die Staaten Europas stehen derzeit enger zusammen, als sie es noch vor einigen Monaten taten. Und diese Gemeinsamkeit ist Stärke. Eine Stärke, die sich auch in der Währung widerspiegelt.

"Dollar wird noch geraume Zeit gegen den Euro verlieren"

Allerdings ist diese Stärke nicht unantastbar. Charttechnisch ist der Euro-Aufschwung noch sehr verletzlich und auch die Stimmung hat noch nicht gedreht. Gut möglich also, dass sich der Aufschwung noch einmal umkehrt und wir wieder Kurse von unter 1,10 sehen werden. Dies gilt vor allem, wenn sich die Europäer im Umgang mit dem Brexit auseinander dividieren lassen oder auch wenn die Flüchtlingskrise wieder hochkocht. Ganz grundsätzlich sollte aber der Euro langfristig gegen den Dollar zulegen können, denn Europas Chancen sind besser als die der USA.

Die Wirtschaft in Europa ist besser aufgestellt, die Infrastruktur zum Teil in wesentlich besserem Zustand und durch ihre klare Außenorientierung eröffnen sich gerade angesichts der protektionistischen Trends in den USA neue Chancen für internationale Partnerschaften.

Dazu kommt: Trumps Schwäche ist die Schwäche des Dollar. Und wenn sich nicht beim Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ganz persönlich ganz Entscheidendes ändert, wird der Dollar noch eine geraume Zeit gegen den Euro verlieren.