Versicherungslösungen für Expatriates: „Falsche Beratung kann dramatische Folgen haben“

Andreas Opitz, BDAE

Andreas Opitz, BDAE

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DAS INVESTMENT.com: Welche Fehler passieren häufig, wenn freie Berater Expatriates oder auswanderungswillige Klienten beraten?

Opitz: Wenn jemand im Ausland arbeiten und leben möchte, ergeben sich im Versicherungsbereich vielfältige und komplexe Fragen. Das umfasst vor allem die Krankenversicherung, aber auch Bereiche wie die Altersvorsorge, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Der häufigste Fehler passiert sicher bei der Beratung in Sozialversicherungsfragen. Viele Makler haben in diesem Spezialbereich kein ausreichendes Hintergrundwissen und sind auf Unterstützung angewiesen.

DAS INVESTMENT.com: Etwas konkreter bitte.

Opitz: Die wenigsten Berater wissen, dass sich bestehende Sozialversicherungsabkommen häufig nur auf bestimmte Zweige der Sozialversicherung beziehen. Gerade ist beispielsweise ein neues Abkommen mit Indien in Kraft getreten, da geht es nur um die Rentenversicherung. Man will unter anderem vermeiden, dass jemand doppelt in die Rentenversicherung einbezahlt. Aber alles andere, etwa die Kranken- und Pflegeversicherung, ist davon nicht betroffen. So etwas muss ich als Makler, der einen angehenden Expatriate berät, wissen. Entweder versenke ich mich dann lange im Internet und kann dann doch letztlich viele Informationen, für die ich als Makler hafte, nicht einschätzen oder ich suche einen versierten Partner für diese hin- und wieder auftretenden Fragen, der eine Ventillösung anbietet.

DAS INVESTMENT.com: Wie die BDAE Gruppe. Was genau bieten Sie und wer sind ihre Produktpartner?

Opitz: Wir sind Versicherungsmakler für Verbraucher und Unternehmen. Vor allem aber fungieren wir als Assekuradeur, das heißt wir entwickeln in Kooperation mit Partnern aus der Assekuranz eigene Produkte für einen Auslandsaufenthalt. Freien Maklern liefern wir nicht nur die Produkte und die zugehörige Courtage, sondern auch das Beratungs-Know-how. Diese Produkte gibt es exklusiv bei uns. Unsere Partner sind schwerpunktmäßig die Allianz Global Assistance, die Würzburger und die Arag. Darüber hinaus bieten wir Beratungsleistungen, zum Beispiel steuerliche Unterstützung mit Partnern und bereiten angehende Expatriates über interkulturelle Trainings auf ihren Auslandsaufenthalt vor.

DAS INVESTMENT.com: Werden denn die Expatriates seit jeher nicht bereits ausreichend über ihre Unternehmen beraten?

Opitz: Viele haben sich früher entweder lokal versichert oder waren über ihre Firmen abgesichert – dabei wurden in abenteuerlichen Konstruktionen viele Fehler gemacht. Häufig wurde etwa eine kurzfristige Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen und immer wieder prolongiert, die aber berufliche Aufenthalte gar nicht absichert. Es gab absurde Situationen: Die Hälfte der Unternehmen hatte keine Ahnung, ab wann die Sozialversicherungsversicherungspflicht für ins Ausland entsendete Mitarbeiter konkret entfällt. Es wurden einfach immer weiter Beiträge abgeführt und die Mitarbeiter so gestellt, als wären sie noch im Inland. Heute ist das Bewusstsein bei den meisten Firmen besser, aber immer noch gibt es eine erschreckend hohe Zahl an falsch versicherten Expatriates. Wenn dem Mitarbeiter dann etwas passiert, können die Folgeschäden dramatisch sein.

DAS INVESTMENT.com: Geben Sie uns ein Beispiel für einen solchen Fall.

Opitz: Wir hatten einen besonders gravierenden Fall in Frankreich. Ein renommierter Getränkehersteller hatte einen Mitarbeiter dorthin geschickt und später betriebsbedingt entlassen. Es stellte sich heraus, dass das Unternehmen ihn einfach weiter in Deutschland versichert hatte, zehn Jahre lang. Er hatte aber einen französischen Arbeitsvertrag und hätte dort sozialversichert werden müssen. Er erhielt dann weder in Deutschland, noch in Frankreich Geld aus der Arbeitslosenversicherung und hatte auch noch erhebliche Einbußen bei seiner Rente, die höher ausfiele, wenn er in Frankreich versichert worden wäre. Wir haben diesem Mann dann mit einer fachkundigen Stellungnahme geholfen. Nun verklagt er seinen Ex-Arbeitgeber auf eine halbe Million Euro Schadenersatz und hat sehr gute Chancen vor Gericht.

DAS INVESTMENT.com: Wie beurteilen Sie die Lösungen, die die deutsche Versicherungswirtschaft für Expatriates und Auswanderer bietet?