Versicherungsvertrieb Diese 5 Insurtechs unterstützen Versicherungsvermittler

Amazon ist ein Beispiel für den Erfolg, den Fintechs haben können, wenn sie etablierte Strukturen eines Marktes umkrempeln | © Getty Images

Amazon ist ein Beispiel für den Erfolg, den Fintechs haben können, wenn sie etablierte Strukturen eines Marktes umkrempeln Foto: Getty Images

Digitalisierung und neue onlinebasierte Marktteilnehmer, auf Neudeutsch Insurtechs genannt, krempeln den Versicherungsmarkt derzeit um. Viele der Start-ups arbeiten dabei gegen Makler, sie wollen Kunden etwa über digitale Versicherungsordner vom Makler abziehen und einen eigenen Bestand aufbauen. Clark und Knip sind hierfür ein Beispiel.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Viele Insurtechs haben Geschäftsmodelle, die Makler bei ihrer Arbeit unterstützen sollen. MyDiverso+ etwa stellt Maklern bereits seit 2009 einen digitalen Versicherungsordner zur Verfügung, den diese wiederum ihren Kunden anbieten können. Der Ordner ist aber nicht nur für Versicherungsdokumente gedacht, „sondern auch für alle anderen Formen von Dokumenten wie Mietverträge, Rechnungen, Fotos oder aber auch die Vorsorgeverfügungen und das Testament“, sagt My-Diverso+-Geschäftsführer Ralf Kohl. Dabei gibt es auch eine Mitteilungsfunktion, über die der Kunde seinen Makler direkt kontaktieren kann, etwa um eine neue Bankverbindung mitzuteilen oder einen Schaden zu melden.

Nicht alles zum Nulltarif anbieten

Makler können dabei entscheiden, ob sie diesen Service ihren Kunden kostenfrei oder gegen eine Gebühr anbieten wollen. „In Zeiten von Regulierungen, LVRG und Nullzins-Politik sollte jeder Versicherungsmakler sich überlegen, ob es wirklich noch zeitgemäß ist, alle Serviceleistungen, welche nichts mit der eigentlichen Versicherungsvermittlung zu tun haben, kostenfrei anzubieten“, sagt Kohl. Für Makler selbst ist MyDiverso+ bis zu einer Kundenzahl von sechs gratis. Kohl: „Ab dem siebten Kontakt wird MyDiverso+ kostenpflichtig. In der Premium-Starter-Variante für monatlich 35 Euro kann der Vermittler Verträge von bis zu 250 Kontakten verwalten und 5 Gigabyte an Dokumenten hochladen.“

Eine weitere Gruppe der Insurtechs bietet Maklern den Service an, bestimmte Versicherungen auf der eigenen Makler-Homepage einzubinden. Hier sind etwa Mass-up und Virado zu nennen. „Wir bieten Maklern einen einfachen Zugang zu Produkt- und Nischenversicherungen, die junge und moderne Leute heute nachfragen. Produkte wie zum Beispiel eine Handyversicherung, die mittlerweile die Kfz-Versicherung als Einsteigerprodukt abgelöst hat“, sagt Achim Hepp, Gründer und Digital-Chef von Virado. Genau diese Produkte stünden Maklern nicht zur Verfügung, da eine Anbindung an den Versicherer teuer und zeitaufwendig sei. „Zusätzlich wird der Makler bald in der Lage sein, auch Geschäftskunden, wie beispielsweise einen Fahrradladen, an Virado anzubinden und danach passiv in der Wertschöpfungskette mitzuverdienen“, sagt Hepp. Das Angebot sei kostenfrei – erst wenn der Makler eine Versicherung verkauft, verdient Virado mit.

Kommandozentrale für 39 Euro

Eine Art digitale Kommandozentrale für Makler hat Mobilversichert in petto: „Wir bieten dem Makler eine digitale, cloudbasierte Kunden- und Vertragsverwaltung inklusive Vergleichsrechnern und einer personalisierten App für seine Kunden an“, beschreibt Manuel Stroeh vom Betreiber Munich General Insurance Services, die Leistung. 39 Euro netto kostet das im Monat. Derzeit arbeiten die Entwickler daran, Schadenverwaltung, Courtagevorschau und Beratungsprotokolle in das System zu integrieren. Weiterer Service: „Der Kunde kann Verträge über Mobilversichert abschließen. Diese Funktion kann vom Makler freigeschaltet werden. Die abgeschlossenen Verträge gehen dann in den Bestand des Maklers“, sagt Stroeh.

Darum, Maklern Leads zur Verfügung zu stellen, geht es etwa bei Treefin und Passt24. „Zwei Drittel aller Versicherungskunden beginnen ihre Suche im Internet, aber nur rund jeder Zehnte möchte auch online abschließen“, sagt Pascal Spano, Geschäftsführer des Portals Passt24. „Wir holen diese Kunden im Internet ab und führen sie als Neukunden den niedergelassenen Maklern vor Ort zu. Prägnant formuliert sind wir der Amazon Marketplace für Versicherungen.“

Über das Portal können Makler Rat suchenden Kunden online Absicherungsvorschläge machen. Ein Algorithmus klopft die Vorschläge zunächst darauf ab, ob alle Kundenwünsche erfüllt wurden. Dann kommt es auf den Preis und die räumliche Nähe an. Gefällt das, meldet sich der Kunde beim Makler. Für diesen Service berechnet Passt24 eine Monatsgebühr von rund 75 Euro. Spano: „Es reicht häufig ein einziger Abschluss pro Jahr, um die Gebühren für Passt24 komplett zu kompensieren.“