Wie man mit 250.000 Euro eine Zusatzrente von 500 Euro pro Monat erzielt – Lösung 1

Matthias Becker, Vermögensbetreuer bei der Privatbank Limburg, CFP-Zertifikatsträger und Mitglied des Finanzplaner-Verbands Financial Planning Standards Board Deutschland

Matthias Becker, Vermögensbetreuer bei der Privatbank Limburg, CFP-Zertifikatsträger und Mitglied des Finanzplaner-Verbands Financial Planning Standards Board Deutschland

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7.500 Euro monatlich als lebenslange Sofortrente von der Glücksspirale – für viele Lotto-Spieler noch reizvoller als der Gewinn eines halbvollen Jackpots. Laufende Erträge sind auch für viele Privatanleger das Anlageziel Nummer eins. Vor allem Personen mit höherem Kapitalvermögen und begrenztem sonstigen Einnahmen schätzen und brauchen regelmäßige Zahlungseingänge auf dem Konto.

Damals war nicht alles besser, aber wesentlich einfacher: Man griff einfach zur Bundesanleihe oder zum guten alten Schatzbrief. Fertig. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld müssen andere Lösungen her. Wir haben einen klassischen Beratungsfall konstruiert und suchen nach möglichen Anlagestrategien.

Der Kunde

Anlagesumme: 250.000 Euro

Angaben zur Person:
65 Jahre alt (Rentenbeginn). Ausreichende, sichere monatliche Einnahmen zur Deckung des Lebensunterhalts. Selbstgenutzte Eigentumswohnung. Sparer-Pauschbetrag ist bisher nicht genutzt. Angenommener Durchschnittssteuersatz 25 Prozent.

Anlageziel: Rente aufbessern. Jährliche Erträge von 5 Prozent (1-2 Prozent nach Steuern, Kosten und Inflation). Die Erträge (gleichbleibende Kaufkraft) sollen jeweils am Jahresende auf einem Tagesgeldkonto zur Verfügung stehen, um jeweils im Folgejahr verbraucht werden zu können. Die Anlagesumme soll auf Sicht von 10-15 Jahren mindestens nominal erhalten bleiben (zwischenzeitliche Verluste werden hingenommen), reale Verluste (nach Inflation) werden akzeptiert.

Anlagehorizont:
20-30 Jahre  

Bisher schickten vier Finanzberater und Vermögensverwalter ihre Lösungsvorschläge ein. Haben Sie auch eine Idee? Dann schreiben Sie an kerschner@dasinvestment.com


Lösung von Matthias Becker, Vermögensbetreuer bei der Privatbank Limburg

1. Wie kann dieses Anlageziel erreicht werden?

Bei einem Leitzinssatz von 0,5 Prozent, einer Rendite für 10-jährige Bundesanleihen von ca. 1,43 Prozent pro Jahr und einer weiter schwierigen konjunkturellen Situation sind jährliche Erträge von 5 Prozent schwerlich und nur unter Eingehen erhöhter Schwankungsrisiken in der Anlage realisierbar.

Eine Kombination aus risikobegrenzten Zinsanlagen, verbunden mit einer breiten Streuung substanzhaltiger Aktienwerte führt zu einer insgesamt risikoadjustierten Vermögensanlage, die – ein intaktes Kapitalmarktumfeld vorausgesetzt – langfristigen Kapitalerhalt ermöglicht. Besonnenes aber konsequentes Reagieren auf sich verändernde Marktgegebenheiten und Nutzen steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten bilden weitere wichtige Bausteine in der Umsetzung und Begleitung der gewünschten Ziele.

2. Wie ist die Ausgangslage? Was muss der Kunde über das aktuelle Kapitalmarktumfeld wissen?

Das Umfeld für Risikoanlagen bleibt weiter freundlich. Die Eingriffe der Notenbanken an den internationalen Kapitalmärkten sorgen künstlich für ein anhaltend extremes Niedrigzinsumfeld. Die Folge sind negative Realzinsen und somit Kapitalverluste für Sparer und Anleihegläubiger.

Gleichzeitig verharrt die Inflation konjunkturbedingt auf niedrigem Niveau. Die Liquiditätsschwemme findet ihren Weg nicht in die Realwirtschaft sondern an die Finanzmärkte; zur Anlage in höher rentierlichen Sach- und Substanzwertanlagen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen erzielen viele Unternehmen gute Gewinne zur Stärkung ihrer Finanzkraft. Eine mittlere Bewertung verbunden mit hohen Ausschüttungen (Dividendenrendite Dax ca. 3,8 Prozent, MSCI World ca. 2,7 Prozent) machen Aktien zu einer attraktiven Ertragsquelle.

3. Welche Portfolio-Bausteine in welcher Kombination sind die Mittel der Wahl? Welche sind weniger / nicht geeignet und warum?

Bei einem Kapitalbetrag von Euro 250.000,-- ist aus Risikogesichtspunkten eine Portfolioabbildung über Einzelwerte nicht ratsam. Daher präferieren wir eine breit gestreute Investition in Fonds. Die  Anlage in Immobilienfonds ist grundsätzlich sinnvoll, steueroptimiert und als Sachwertanlage weitgehend inflationsgeschützt. Sie wird derzeit jedoch sehr stark reglementiert und hat aufgrund enormer Kapitalzuflüsse sowie ansteigender Immobilienpreise deutliche Ertragsprobleme.

Hochzinsanleihen sind zur Beimischung in der Vermögensanlage ebenfalls geeignet, stellen aber auch besondere Risiken für Investoren dar, da sie oftmals von bonitätsschwächeren Unternehmen begeben werden, die sich die günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten zu Nutze machen. Angesichts der auch hier deutlich gesunkenen Renditen und fehlender Inflationsabsicherung fühlen wir uns mit dem langfristigen Potenzial von dividendenstarken Aktienbeteiligungen sowie Multi-Asset-Fonds mit nachgewiesener langfristiger und kontinuierlicher Expertise deutlich wohler.

Eine „normale“ Sofort-Rente leidet wie alle zinsinduzierten Produkte unter dem Ertragsproblem. Langfristiger Kapitalerhalt ist hier nach Abzug von Kosten kaum möglich.

Im Rahmen des vorliegenden Anlagewunsches ist die Umsetzung über einen Fondsentnahmeplan sinnvoll. In Kombination mit einer fondsgebundenen Versicherungslösung bietet sich eine attraktive Mischung aus breit gestreuter, flexibler Aktien- beziehungsweise Mischfondsanlage und steueroptimierender Vermögensstrukturierung. Dabei bleibt jederzeit ausreichender Handlungsspielraum um auf sich verändernde persönliche und/oder finanzielle Belange zu reagieren und dennoch das Vermögen dauerhaft zu erhalten.