Wir haben Post: „Wir halten die Baubranche für erfolgversprechend“

Edwin Lugo, Franklin Templeton

Edwin Lugo, Franklin Templeton

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Wo finden Sie derzeit Möglichkeiten innerhalb Ihres Anlageuniversums?

Ed Lugo: Wir finden zunehmend hochwertige Unternehmen in Italien, Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Griechenland. Einige dieser Länder sind sehr in die Missgunst gefallen. Aber so haben wir Möglichkeiten, die sich sonst nicht ergäben. Mit anderen Worten: hochwertige Unternehmen mit geringem Geschäftsrisiko und zu großartigen Preisen. So können wir die erforderliche Mindestanlagerendite innerhalb eines fünfjährigen Zeitraums erzielen. In Italien erwerben wir darüber hinaus Aktien von Prysmian, dem zweitgrößten, weltweit tätigen Energiekabelhersteller. In den Niederlanden konnten wir Aktien vom Lebensmitteleinzelhändler Sligro kaufen. Und in Frankreich bauen wir unsere Position von Bénéteau, Europas führendem Segel- und Motorbootbauer, aus.

Welche Länder und welche Titel wurden Ihres Erachtens grundlos abgestraft?

Lugo: Aufgrund der Ungewissheiten, was die Prolongation angeht, gerieten Griechenland und Spanien 2011 stark in die Bredouille. Was die Länder angeht, sind wir damit einverstanden, dass sie abgestraft werden sollten. Dennoch gibt es, selbst bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion oder einem Ausfall der Anleihen eines Staates, robuste Unternehmen, die weiterbestehen. Sie zählen zu den Marktführern in ihren Bereichen, sind per Saldo liquide, profitabel und erzeugen Cashflows für Aktionäre in einem rezessiven Umfeld. Einige wachsen sogar. Wir sind insgesamt in der Lage, diese großartigen Unternehmen zu äußerst niedrigen Kursen zu kaufen. Langfristig erzeugen wir so höhere Renditen.

Welchen Ländersektor vermeiden Sie?

Lugo: Wir investieren in allen europäischen Ländern, haben gewöhnlich jedoch ein geringes Engagement in Osteuropa und Russland. Die Gründe dafür sind mangelnder Zugang zum Management, schlechte finanzielle Offenlegung und unzureichendes Vertrauen. Hinsichtlich der Sektoren sind wir untergewichtet in Material, Energie und Banken. In der Regel haben die Unternehmen der Sparten Material und Energie oftmals einen geringen Wettbewerbsvorteil und sind von den Rohstoffpreisen, wie Öl oder Kupfer, abhängig. Dies verstößt gegen unsere erste Regel, laut der wir in Unternehmen investieren, die einen Wettbewerbsvorteil haben sollten. Bei Banken vermeiden wird generell Leverage. Unsere zweite Regel lautet, Unternehmen mit soliden Bilanzen und/oder hoher Generierung von Cashflows zu kaufen. Falls wir dennoch einen Banktitel erwerben, muss das Institut überkapitalisiert, die Kreditausfälle in den vergangenen fünf Jahren niedrig und das Verhältnis von Kundeneinlagen zu Kundenkrediten hoch sein. In Europa ist es heute schwierig, Banken mit solchen Eigenschaften zu finden.

Welche Sektoren könnten erfolgversprechend sein und welche nicht?

Lugo: Die Baubranche halten wir für erfolgversprechend. Hierzu gehören Hersteller von Rohrleitungen und Zement, Hausbauer, Bodenbelagseinzelhändler und so weiter. Die rückläufige Entwicklung von 2008 bis 2011 hat diesen Bereich hart getroffen. Viele Unternehmen dieser Branche kämpfen ums Überleben und viele hochwertige Firmen werden zu attraktiven Aktienkursen gehandelt. Den Sektor Material halten wir nach wie vor für überbewertet. Obwohl die Kurse in dieser Sparte etwas zurückgegangen sind, ist eine Anlage in viele dieser Unternehmen noch nicht lohnenswert.